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Traumatisierungen aufgrund sexueller Gewalt

Anforderungen an die Soziale Arbeit in den stationären Hilfen zur Erziehung

Written by L.-M. Ströde

Paper category

Bachelor Thesis

Subject

Sociology

Year

2013

Abstract

Bachelorarbeit: Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche 2.1 Definition von sexueller Gewalt Die Definition von sexueller Gewalt ist eine schwierige Aufgabe. Je nach theoretischer Methode, Ideologie, Ethik oder rechtlichem Hintergrund ist die begriffliche Definition von sexueller Gewalt divergierend (vgl. Hartwig et al. 2008, 17). In der Fachliteratur werden verschiedene Begriffe synonym verwendet, um das Phänomen der sexuellen Gewalt zu beschreiben. Es werden Begriffe wie sexueller Missbrauch, Inzest, sexuelle Gewalt, sexuelle Ausbeutung, sexuelle Gewalt, Seelenmord oder sexuelle Übergriffe verwendet (vgl. Wipplinger et al., 1998, 14f.). Diese Vielfalt der Terminologie zeigt deutlich, dass „es schwierig ist, ein so sensibles Thema wie sexuellen Missbrauch genau zu beschreiben“ (Bange 2002a, 48). Bange (vgl. ebd., 47) wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die der Definition zugrunde liegenden Standards und theoretischen Annahmen sorgfältig ausgewählt und transparent sein müssen, um Missverständnisse zu vermeiden. Der Unterschied in der Definition kann normalerweise in Methoden mit enger oder breiter Definition gefunden werden. Die enge Definition dieses Phänomens beschreibt den körperlichen (oralen, anus- und genitalen) Kontakt zwischen Opfer und Täter unter Androhung von Gewalt oder Gewalt. Diese enge Definition umfasst jedoch keine anderen sexuellen Gewalttaten und muss daher strikt angewendet werden. Die weite Definition des Begriffs versucht, dieses Phänomen als Ganzes zu beschreiben. Dazu gehören verbale und sexistische Belästigung, Exhibitionismus usw. „(...) Der komplexe Hintergrund der Ursachen und Ursprünge sexuellen Missbrauchs (...)“ (Hartwig et al. 2008, 17) wird in der engen bzw. weiten Definition nicht berücksichtigt (vgl. ebd.). Um zu einer abschließenden Definition zu gelangen, müssen weitere Definitionskriterien berücksichtigt werden. Als weitere Definitionskriterien werden „das Konzept der bewussten Einwilligung“, „Verhalten gegen den Willen des Kindes“, „der Altersunterschied zwischen Opfer und Täter“ und „Folgenabhängigkeit“ diskutiert (vgl. Hartwig et al. 2008, 18f. ) Jede Norm hat Vor- und Nachteile, und in wissenschaftlichen Debatten gibt es Streit. Das Kriterium der „Konsequenzabhängigkeit“ ist sinnvoll, wenn man kritisiert, dass nicht jedes Opfer sexueller Gewalt Schaden erleidet (zB in Form von Traumata). In diesem Fall wird die Resilienz von Kindern und Jugendlichen nicht berücksichtigt 1 (vgl. Hartwig et al., 2008, 19; Bange, 2002a, 51). Das Kriterium „gegen den Willen des Kindes“ schien zunächst entscheidend. 2.2 Ausmaß sexueller Gewalt Die Bestimmung des Ausmaßes sexueller Gewalt ist ebenso schwierig wie die Definition des Begriffs sexueller Gewalt. Einerseits erschweren das Fehlen einer einheitlichen Definition oder Änderungen der weiten und engen Definitionen die epidemiologische Erfassung sexueller Gewalt. Andererseits gibt es ein schwer zu bestimmendes Dunkelfeldproblem (vgl. Hartwig et al. 2008, 32; Bange 2002b, 20ff). Um „Fälle“ sexueller Gewalt zu erfassen, verwendet die Wissenschaft zwei Messinstrumente: Inzidenz und Prävalenz. Die Inzidenzrate beschreibt die Zahl der Neuerkrankungen in der Bevölkerung innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Die Prävalenzrate gibt an, wie viele Fälle in der Bevölkerung in einem bestimmten Zeitraum aufgetreten sind (vgl. Bange 2002b, 20). Bezüglich der Inzidenz können Sie sich auf die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) beziehen. In der PKS werden deutschlandweit alle gemeldeten Straftaten und Verdachtsfälle, einschließlich sexueller Gewalt gegen Kinder, registriert. Im Jahr 2012 wurden 12.623 Fälle sexueller Gewalt nach § 176StGB registriert (vgl. BMI 2012, 8). Es gibt ein Problem mit dem Verhalten der Betroffenen. Aufgrund von Bitten um Schweigen oder aus Scham und Angst wird sexuelle Gewalt innerhalb der Familie oft nicht gemeldet, so dass es eine große Dunkelziffer gibt. Opfer sexueller Gewalt durch Fremde melden den Vorfall eher. Daher sind der Polizei nicht alle Fälle sexueller Gewalt bekannt, weshalb die PKS keine zutreffenden Aussagen zulässt (vgl. Bange 1992, 28). Nach Bange (vgl. Bange 2002b, 22) werden drei Instrumente benötigt, um die Prävalenz sexueller Gewalt zu überprüfen: Falldefinitionen, Stichproben und Erhebungsinstrumente. Auch in der Forschung gibt es Unterschiede in der Altersgrenze des Opfers, dem Altersunterschied zwischen Opfer und Täter und der Art der sexuellen Gewalt (ebd.). Bange (vgl. Bange 1992, 86 ff.) stellte in seiner Untersuchung fest, dass von den 518 befragten Frauen und 343 Studierenden 130 Frauen (25 %) und 28 Männer (8 %) mindestens einen sexuellen Übergriff erlebt hatten. Als sexuelle Gewalt wird hier jeder gegen den Willen oder ohne informierte Einwilligung vor dem 16. Lebensjahr begangene sexuelle Kontakt bezeichnet2. Ernst fand heraus, dass 10-15% der Frauen und 5% der Männer unter 16 Jahren mindestens eine ungewollte sexuelle Begegnung oder erzwungene sexuelle Begegnungen durch eine viel ältere Person hatten (vgl. Deegener 2010, 30). Read Less