Add Thesis

Selbststigmatisierung und soziale Praxis am Beispiel kontrollierter, sozial integrierter Drogenkonsumenten

Written by M. Will

Paper category

Bachelor Thesis

Subject

Ethnology

Year

2016

Abstract

Bachelorarbeit: Die Entwicklung der Drogen- und Suchtforschung Die Drogen- und Suchtforschung arbeitete zunächst ganz problemzentriert und pathologisch, da ihre Forschungsgebiete die formelle Behandlung und gesellschaftlich prominente Konsumentinnen und Konsumenten im Strafvollzug umfassten. Dabei wird den Konsumenten immer eine Opferrolle eingeräumt, in der sie scheinbar komplett von Drogen dominiert werden und ihren Konsum nicht kontrollieren können. Der Grund für diese Situation ist in der psychisch gestörten Persönlichkeit der zu Drogenmissbrauch neigenden Konsumenten zu sehen. Nach dieser Ansicht führt jeder Konsum illegaler Drogen unweigerlich zur Sucht, verbunden mit der Degeneration der Gesellschaft in ein Verbrechen, das schließlich zu Fahrlässigkeit und im Extremfall zum Tod führt. Der einzige Ausweg ist eine Behandlung, die auf totale Abstinenz abzielt. Dabei stehen die pharmakologischen Eigenschaften des Stoffes und seine Wirkung auf als krank eingestufte Verbraucher im Fokus. Zudem gilt jeder Drogenmissbrauch als Missbrauchssubstanz und wird nur negativ bewertet. Erst später fiel mir die Möglichkeit auf, den Verbrauch zu kontrollieren. Der amerikanische Psychoanalytiker und Psychiater Norman E. Zinberg benutzte das (soziale) Umfeld des Konsumenten als dritten Faktor in "Drugs, Setting, and Setting". Er glaubt, dass das soziale Umfeld des Verbrauchers durch die Entwicklung informeller sozialer Kontrollmechanismen die Art des Konsums beeinflusst. Der Konsum jeder legalen oder illegalen Droge wird durch Werte und Verhaltensregeln oder mögliche soziale Sanktionen kontrolliert, und diese Verhaltensweisen bestimmen, ob und wie eine Droge in einer bestimmten Situation konsumiert wird. Diese können zum Beispiel durch das Motto einer bestimmten Gruppe oder die formalen Gesetze und Strategien beeinflusst werden, die den Konsum regulieren. Darüber hinaus werden Rituale entwickelt, die genaue Verhaltensmuster für die Beschaffung, den Konsum, die Wahl des Konsums und die möglichen Aktivitäten entsprechender Drogen unter Drogeneinfluss beinhalten. Zinberg bezieht sich teilweise auf den Soziologen Howard S. Becker. Im Kontext seiner Soziologie abweichenden Verhaltens beschreibt dies den Einfluss sozialer Kontrolle auf die berufliche Entwicklung von Cannabiskonsumenten. Ob und in welcher Form eine Person Cannabis konsumiert, wird nach Becker von folgenden Arten von Kontrollen beeinflusst: „a) Kontrolle durch Beschränkung des Angebots und des Zugangs von Drogen; b) 3 Kontrollierten Drogenkonsum verstehen Nach Kolte und Schmidt-Semisch ist die wissenschaftliche Bedeutung des kontrollierten Drogenkonsums zu verstehen als "[...] eine Beschreibung eines moderaten Konsumverhaltens, das nicht bewusst kontrolliert wird [...], sondern Mehr or weniger unbewusst "als fast" selbstverständliche "Konsumgestaltung und Rahmen" [...]" des Einzelnen. In dieser Definition beziehen Sie sich auf die Forschung von Zinberg und Kemmesies et al. Die in ihren jeweiligen Studien berücksichtigten Konsumenten verinnerlichen die zur Kontrolle notwendigen Regeln und Rituale durch den sozialen Lernprozess und wenden sie mühelos an. Darüber hinaus ist Drogenmissbrauch nur ein Aspekt des Lebensstils der Integration in die Gesellschaft, so dass die Integration in das traditionelle Lebensumfeld als Bedingungsfaktor für die Aufrechterhaltung der Kontrolle besonders wichtig zu sein scheint. Drogen werden nur dann konsumiert, wenn keine negativen Auswirkungen auf die täglichen Verpflichtungen auftreten, beispielsweise nur in der Freizeit, nur in bestimmten Dosen und nur in bestimmten sozialen und lokalen Umgebungen. Tatsächlich tritt bewusste Kontrolle eher auf, wenn das Bewusstsein für Verhaltensweisen vermieden wird, die im sozialen Umfeld als abweichend gelten, was sich negativ auf die eigene Biografie auswirkt, insbesondere auf die Auswirkungen von Stigmatisierung und strafrechtlicher Verurteilung. Dieses Verständnis von kontrolliertem Konsum unterscheidet sich von der aktiven Kontrollform, die im Kontext des Konzepts der Drogentherapie zur Behandlung von Sucht verwendet wird und nicht als Abstinenz, sondern als Ziel ausgedrückt wird. 34 Dies führt zu einer ganz anderen Situation für Verbraucher und sollte in dieser Arbeit diskutiert werden. Kemmesies versteht unter kontrolliertem Drogenkonsum (oder für ihn Drogenkonsum) „[...] Drogenkonsum, der nicht negativ mit der Alltagsbewältigung zusammenhängt.“ 35 Außerdem definierte er eine Form seiner Stichprobe genauer. Für seine Forschung können sich nur Personen in das etablierte erwachsenenspezifische Lebensumfeld integrieren, die über ein unbefristetes Aufenthaltsrecht, eine abgeschlossene Berufsausbildung und/oder ein abgeschlossenes Studium oder ein langfristiges unbefristetes Arbeitsverhältnis verfügen. Read Less