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Wie werden Einkommensunterschiede in Deutschland gerechtfertigt?

Eine Typologie der Rechtfertigungsmuster von Einkommensungleichheit in Deutschland anhand einer Diskursanalyse der ‚Causa Winterkorn‘

Written by Julian Bank

Paper category

Master Thesis

Subject

Economics

Year

2013

Abstract

Masterarbeit: Einkommensungleichheit und Managergehälter: Entwicklungen, Aussagen und Meinungen Debatten über Managergehälter, ihre Gründe oder Fragen sowie allgemeine Diskussionen über Einkommensungleichheit werden alle im Kontext der materiellen Entwicklung geführt. Um die erfahrungsgemäßen Ungleichheitsbeziehungen einzuordnen, fassen die folgenden Abschnitte die Entwicklungen der letzten Jahre kurz zusammen und geben Erklärungsvorschläge: Zunächst werden die Veränderungen der Einkommensungleichheit in Deutschland insgesamt betrachtet (2.1). Anschließend wird die Entwicklung der Managergehälter in Deutschland skizziert (2.2). Neben der tatsächlichen (gemessenen) Entwicklung der Einkommensverhältnisse sind auch die Ergebnisse der bisherigen Forschung zu den Ansichten, Bewertungen und Interpretationen dieser ungleichen Verhältnisse als Folie für diese Erhebung interessant. Im dritten Teil (2.3) werden die Ergebnisse dieser quantitativen und qualitativen Forschung zusammengefasst. 2.1 Die Entwicklung der Einkommensungleichheit in Deutschland Die Entwicklung der Einkommensungleichheit in Deutschland hängt maßgeblich vom Betrachtungszeitraum ab. Dann lassen sich drei unterschiedliche Trends ausmachen (siehe Abbildung 2): (1) Rückblickend auf die Zeit seit 1950 wird deutlich, dass in den 1980er Jahren der sogenannte „Big Turn“ stattfand (Alderson / Nielsen 2002: 1248) In Deutschland gibt es viele Wie auch in anderen OECD-Ländern nahm die Einkommensungleichheit ab den 1980er Jahren zu, bevor die Einkommensungleichheit abnahm (Alder-son / Nielsen 2002: 1248; Göseke / Bedau 1974). (2) Von den 1980er bis in die 2000er Jahre nahm die Ungleichheit deutlich zu (siehe Abbildungen 3 und 4). (3) In den fünf Jahren bis 2010 ist die Ungleichheit der Haushaltseinkommen in Deutschland leicht zurückgegangen (siehe Abbildung 3), und die neuesten Daten deuten darauf hin, dass der vorübergehende Rückgang der Ungleichheit erneut ins Stocken geraten ist (Grabka et al. 2012; Grabka / Goebel 2013 ). Umstritten ist auch, ob (3) wirklich eine neue Trendwende ausgelöst hat oder ob die jüngste Entwicklung lediglich die entsprechende Lage der Wirtschaftslage und des Arbeitsmarktes widerspiegelt, denn obwohl das niedrige Einkommen zuletzt auch gestiegen ist, ist das hohe Einkommen synchronisiert Der Anstieg ist eine Fortsetzung des Anstiegs der Realeinkommen, während sich niedrige Einkommen vom vorherigen Rückgang erholen können (Abbildung 3). Der in neueren Statistiken verzeichnete leichte Rückgang der Haushaltsungleichheit dürfte eher auf die Zunahme der Zahl der Erwerbstätigen – dank guter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen – und den damit verbundenen Gesamteinkommensstatus der Haushalte zurückzuführen sein (Grabka et al. 2012; Schmid / Stein) 2013: 11). 2.2 Die Entwicklung der Managervergütung in Deutschland Die Medien veröffentlichen regelmäßig aktuelle Forschungsberichte zur Managervergütung und Berichte über die Erhöhung der Vorstandsvergütung. Allerdings wird diese Entwicklung selten über einen längeren Zeitraum betrachtet (Schmidt / Schwalbach 2007: 118). Die Zusammenstellung der Vorstandsgehälter für 17 der 30 größten DAX-Unternehmen zwischen 1987 und 2005 bestätigt jedoch die wachsende Kluft zwischen den Managergehältern und den Durchschnittsgehältern großer Unternehmen. Die durchschnittliche Vorstandsvergütung dieser Unternehmen hat sich verfünffacht, während sich der durchschnittliche Gesamtpersonalaufwand nicht einmal verdoppelt hat, insbesondere seit Ende der 1990er Jahre sind die Vorstandsbezüge stark gestiegen (Abbildung 5). Dieser Trend hat sich in den letzten Jahren fortgesetzt, wurde aber durch die Finanzkrise (Prinz / Schwalbach 2011) vorübergehend unterbrochen (siehe Abbildung 6). Zwischen 2010 und 2011 stieg das Durchschnittsgehalt von Dax 30 um 7,9 %, teilweise aufgrund der „Erholung“ von einem kurzen Abschwung während der Finanzkrise. Im Jahr 2011 betrug das durchschnittliche Einkommen eines Vorstandsmitglieds das 54-fache eines normalen Mitarbeiters desselben Unternehmens (Anselmann / Krämer 2012). Der Unterschied in der Vergütung des Verwaltungsratspräsidenten ist noch grösser, da die Vergütung des Verwaltungsrats stark unterschiedlich ist (Schmidt / Schwalbach 2007: 119). Martin Winterkorn, der Thema dieses Artikels, verdiente im Jahr 2011 etwa das 350-fache des Durchschnittseinkommens aller Volkswagen-Mitarbeiter (Handelsblatt 15.01.2013).2 Mit dem rasanten Anstieg der Managergehälter folgt Deutschland seit 1990 einem Trend Das späte Jahrzehnt begann in den USA in den 1980er Jahren (Frydman 2009: 473). Das aktuelle Vorstandsgehalt der Vorstandsmitglieder des Dax 30 beträgt durchschnittlich 5,8 Millionen Euro pro Jahr inklusive Pensionszusagen (Evers et al., 2010: 9). Dadurch ist ihr Einkommen nicht nur deutlich höher als das Lohn- und Kapitaleinkommen von 99,9 % der Erwerbstätigen, sondern auch das Fünffache des Durchschnittseinkommens der 50.000 Höchstverdiener (selbst berechnet, Datenbank: Alvaredo et al., 2013). Die Vorstandsvergütung besteht aus drei Kernbestandteilen: (1) Festvergütung, (2) Variable Vergütung, die an „Erfolg“ und „Leistung“ – gemessen an unterschiedlichen Maßstäben, aber am wichtigsten am Unternehmensgewinn – hängt (3) Pension Engagement. Es gibt weitere Vorteile, wie zum Beispiel Firmenwagen- oder Wohnungszuschüsse. In den letzten Jahren ist der Anteil der variablen Vergütung gestiegen, insbesondere der langfristige Anteil der variablen Vergütung („Long-Term Incentive“, LTI). Read Less