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Wachstumspotenziale

Ist es möglich Wachstumspotenziale von Startups in der Early-Stage systematisch vorherzusagen?

Written by A. Klara

Grade 1,2

Paper category

Master Thesis

Subject

Business Administration>Entrepreneurship

Year

2021

Abstract

Masterarbeit Wachstumspotenzial Early-Stage Startups: Gründen ist on voque! Und viel wichtiger: Die deutsche Startup-Szene entwickelt sich immer mehr zu einem treibenden Faktor für die deutsche Wirtschaft(BMWI, 2021). Durch die stei-gende Zahl an Neugründungen steigt auch der Finanzierungsbedarf. Das Investitionsvolumen für die Finanzierung von Startups in Deutschland lag 2019 bei 6,23 Milliarden Euro und ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 36% gestiegen. Allein 1,2 Milliarden Euro sammelten zehn deutsche Startups im Jahre 2020 ein(Ernst & Young, 2021). Das wirft die Frage auf, wie so große Summen für so junge Unternehmen zustande kommen können. Wer bewertet sie und welche Faktoren fließen maßgeblich in die Bewertung eines Startups mit hinein? Forschungsinteresse und ForschungsfrageJeder erfolgreichen Gründung, die Startkapital benötigt, gehen einige essentielle Schritte vo-raus. Die Ausarbeitung eines, bis ins kleinste Detail geplanten, Businessplans gilt in der The-orie als Grundsteinlegung einer erfolgreichen Gründung (Georg,2019, S. 4). Vor allem aber kann ein gut ausgearbeitetes Konzept den Zugang zu Investoren herstellen, die eine erfolg-reiche Gründung ermöglichen können. Bevor der Gang zu einem Investor realisiert werden kann, muss zunächst jedoch die Güte eines Konzepts ermittelt werden. Dies wirft einige Fragen auf:Wie soll ein Entrepreneur sein Konzept auf Relevanz und Güte hin prüfen, um bspw. finanzielle Mittel eines Venture Capita-list(VC)zu erhalten?Und vice versa:Wie ermittelnInvestoren, ob sich ihr Engagement in Form von Kapital und Bereitstellung von Know-How in noch nicht gegründete oder sehr junge Star-tups lohnt? Nach welchen Kriterien wird entschieden, ob einGeschäftsmodell Potenzial hat erfolgreich zu sein? Eine Bewertung von Unternehmen findet meist im Rahmen von gesetzlichen Verpflichtungen, Vertragsverhandlungen und Veräußerungen statt oder wirdals Vorbereitung eines Börsen-gang durchgeführt. Ein weiterer Grund für eine Bewertung stellt die Quantifizierung von Un-ternehmensanteilen dar. In diesem Zusammenhang ist eine möglichst realitätsgetreue und zukunftssichere Prognose für beide Parteien besonders wichtig. Während eine Bewertung für Gründer den Wert ihres Geschäftsmodellsermitteltund ihnen somit ein Bild davon vermitteln kann, wieviel Potenzial in der Umsetzung ihres Geschäftsmo-dels liegt, können Investoren ihrerseits einschätzen, welche Chancen eine Beteiligung bieten könnte. Sie können infolgedessen Annahmen darüber treffen, wieviele Anteile sie kaufen wollen und wie hoch ihre Rendite bei einem Investment über einen bestimmten Zeitraum 3ausfallen wird. Eine Bewertung bietet somit Raum für eine Abwägung von Chancen und Risi-ken auf beiden Seiten. Klassische Unternehmensbewertungen ermöglichen die erläuterten Möglichkeiten zur Ab-schätzung verschiedener Szenarien vor allem für etablierte Unternehmen und Startups, die bereits einige Entwicklungsstufen durchlaufen haben. Anhand vergangener Erfolge oder Misserfolge in diesen zurückliegenden Perioden,können Annahmen über zukünftige Entwick-lungen getroffen werden und so ein Bild davon liefern, wie hoch die zu erwartenden Renditen für Investoren ausfallen werden. Diese Erkenntnisse entscheiden darüber,ob bspw. exponen-tielle Wachstumschancen identifiziert werden undob aufbauend darauf eine Beteiligung durch einen Investor realisiert wird oder nicht. Startups, die in der frühesten Phase ihrer Entwicklung stehen, können aufgrund ihrer noch kurzen Firmenhistorienicht aufvergangenheitsbasierteDaten ihrer Tätigkeit zurückgreifen. Dasselbetrifft auf neu entwickelte Konzepte zu. Daher ist die Anwendung traditioneller Un-ternehmensbewertungen im Fall der Bewertung von sehr jungen Startups und ausgearbeite-ten Konzepten nur sehr begrenzt möglich. Dennoch ist es möglich Aussagen über das Poten-zial von Startups und Konzepten zu treffen,umso etwa zukünftige Cashflows abzubilden. In der Regel greifenInvestorendafür auf Erfahrungswerte oder Daten vergleichbarer Startups zurück, die sich schon am Markt etabliert haben. Doch was geschieht, wenn keine Erfahrungs-werte vorhanden sind oder aufgrund von innovativen Konzepten keine Vergleichswerte her-angezogen werden können? Die Beantwortung dieser Frage soll durch diese Masterarbeit untersucht und gelöst werden. Entsprechend der Konzeption des Modells ergeben sich zwei zentrale Fragestellungen für diese Masterarbeit:1.Hat der Reifegrad eines Businessmodells Einfluss auf den Erfolg eines Startups?2.Ist es möglich Skalierungspotenzialevon Startups in der Early-Stagesystematisch zu prognostizieren?“ Skalierungspotenziale von Businesskon-zepten vorauszusagen. Basierend auf dieser Überlegung hat er ein Modelkonzipiert, das durch relevante Fragen, abgeleitet aus dem Businessmodel Canvas und Weiterentwicklungen in diesem Feld, Parameter erfasst, die den Reifegrad eines Businesskonzepts ermitteln sollen. Darüber hinaushat er für dieses Modell Fragen formuliert, deren BeantwortungRückschlüsse darauf geben sollen, ob ein Konzept Skalierungspotenzial besitztoder nicht. Ziel dieser Masterarbeit ist es, mittels einer quantitativen Erhebung, Gründer bzgl. ihrer Gründungs-zeit zu befragenund anhand der Ergebnisse das von Anders entwickelte Modell zu validieren.Das übergeordnete Ziel dieser Forschungsarbeit ist es jedoch in erster Linie zu untersuchen, ob es möglich ist,die Skalierungsfähigkeit eines Startupsdurch die Abfrage businessrelevan-ter Parameter vorherzusagen und somit die Forschungsfrage beantworten zu können.1.3 Aufbau der ArbeitNachdem die zugrundeliegende Forschungsfrage und das Ziel der Masterarbeit erläutert wurde, wird in diesem Kapitel ein Überblick über den strukturellen Aufbau dieser Masterarbeit vorgestellt. Diese Masterarbeit gliedert sich in folgende Abschnitte:Kapitel zwei befasst sich mit dem grundlegenden Aufbau eines Startups und dem Lebens-zyklus, den es im Idealfall durchlaufen kann. Des Weiteren wird in Kapitel drei ein Überblick über dieverschiedenen Methoden gegeben, die für die Bewertung eines Startups in der Praxis Anwendung finden. Für jede Methode findet eine abschließende Analyse hinsichtlich ihrer Eignung für die Bewertung von Startups in der Early-Stage statt.Im viertenKapitel wird zunächst das für diese Masterarbeit zu validierende Modellvorgestellt und auf seine theoretische Anwendbarkeit im Rahmen einer Bewertung für Early-Stage-Star-tups analysiert. Dem folgteine Auseinandersetzung mit den Begrifflichkeiten Erfolg und Er-folgsfaktoren und eine Analyse der für das Modell verwendeten Erfolgsfaktoren. Hier erfolgt eine erste inhaltliche Validierung der Erfolgsfaktoren nach Anders durch eine ausführliche Li-teraturanalyse. 5Die Erarbeitung der von Anders formulierten Erfolgsfaktoren dienen als Vorlage für die Kon-zipierung der empirischen Masterarbeit. Der empirische Teil in Kapitel 5gliedert sich wie folgt auf: Zunächst wird das Untersuchungsdesign vorgestellt und die Methode, dieverwendet wird, um die Masterarbeit durchzuführen. Darüber hinaus wird die Stichprobe auf ihre charakteristischen Merkmale hin untersucht und das Forschungsinstrument erläutert.Eine anschließende Hypo-thesenformulierung dient als Grundlage zurAnalyseder Validität der festgesetzten Paramater in dem zu untersuchenden Model.Im nächsten Schritt werden die durch die Umfrage erhaltenen Datensätze analysiert, die Er-gebnisse dargestellt und interpretiert. Durch die Interpretation dieser Ergebnisse können in der FolgeRückschlüsse auf die Gültigkeit der aufgestellten Hypothesen getroffen werden. Im Schlussteil der Arbeitwirdzunächst, aufbauendauf den Ergebnissen und der Hypothesen-überprüfung, eine zusammenfassende Beurteilung vorgelegt,die Antworten auf die For-schungsfrage liefern soll.Eine kritische Betrachtung der durchgeführten Untersuchung soll mögliche Defizite aufzeigen, aber auch Aufschluss darüber geben, wie eine zukünftige For-schung hinsichtlich der Bewertbarkeitvon Startups in der Early-Stage aussehen könnte.2 Die UnternehmensgründungUm einen theoretischen Bezugsrahmen aufzubauen,in dem die Untersuchung stattfinden kann, soll der Untersuchungsgegenstand zunächst abgrenzt werden. Dazu wirdin diesem Kapitel auf dieBegriffeStartups und Scaleups näher eingegangen. Durch eine Systematisie-rung der Gründungsformen kann eine erste inhaltliche Annäherung vorgenommen werden.2.1Charakteristikaund WachstumstypenBei dem Versuch Startups systematisch in Bezug auf andere Organisationsformenabzugren-zen, wird häufig bei der Gründungssituation angesetzt. Hier unterscheidet man zwischen einer originären und einer derivativen Gründung.Die originäre Gründung beschreibt einen struk-turschaffenden Prozess. Dieser kann von einem Unternehmer, einem Unternehmen, oder ei-ner Kombination von beiden initiiert werden, mit jeweils unterschiedlichen Konsequenzen für die zu gründende Organisation(s. Tbl. 1). 6Tabelle 1: Systematik junger Unternehmen Anmerkung: Eigene Darstellung adaptiertvonFallgatter, 2007, S. 27.Für die hier vorliegende Masterarbeit und der damit verbundenen Thematik, sind lediglich originäre Gründungen relevant. Allerdings wird die Existenzgründung aus der Betrachtung ausgeschlossen. Unternehmen, die aus einer Existenzgründung entstehen, sind typischer-weise Handwerksbetriebe, oder kleine Einzelhändler und sollen für die durchgeführte Studiethematischnicht weiter von Bedeutung sein. Der Begriff Startups bezeichnet junge Unternehmen, die noch keine oder eine geringe Mark-tetablierung vorweisen können. Sie sind in der Regel für eine Ausweitung ihres Geschäftsmo-dells und ein damit möglicherweise verbundenes Wachstum auf externes Kapital durch Inves-toren angewiesen(Achleitner, o.D.).Innerhalb dieserBegrifflichkeit lassensich weitere ver-schiedene Abgrenzungen in der Literatur finden. Man kann unter Abhängigkeit der folgen-den Faktoren eine Differenzierung herstellen(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 1):•Grad der Selbstständigkeit•Strukturexistenz•Wachstumspotenzial•InnovationsgradWie in Kapitel 0erläutert, soll das zu validierende Modellvon Anderserheben, wie hoch dieGüte derPlanungsqualität eines Business-Konzepts ist und ob das Konzept möglichweise ein hohes Wachstum erreichenkann. 7Im weiteren Verlauf der Masterarbeit wirdmit Blick auf das zu untersuchende Modell und potenzielle Investoren von Startupsals mögliche Adressaten, unterschieden zwischen Startups und wachstumsorientierten Startups.Aufgrund dessen ist es sinnvoll, eine Differenzierung des Begriffs Startup, in AbhängigkeitdesWachstumspotenzialsvorzunehmenund näher zu beleuchten. Diese Abgrenzung ist fer-ner wichtig, da nicht jedes Startup unbedingt hohe Wachstumsraten anstrebt –die Überle-bensfähigkeit eines Startups hängt nicht von seiner Wachstumsgeschwindigkeit ab (Freiling & Harima, 2019, S. 405). Schlussendlich ist eine begriffliche Abgrenzungvon zentraler Bedeu-tungfür die spätere Interpretation der gewonnenen Ergebnisse der vorgenommenen Um-frage.In der Literatur lassen sich zu dem Thema Wachstum von Startups verschiedene Ansätze fin-den, die sich mit der Differenzierung derWachstumsgeschwindigkeitauseinandersetzen. Die Autoren Achleitner und Nathusius unterscheiden zwischen drei verschiedenen Wachs-tumstypen von Startups(2004, S. 2):•Lifestyle-Venture•Middle-Market-Ventures•High-Potential-VenturesAls Lifestyle-Venturesbezeichnen sie Startups, die nur ein geringes Wachstum aufweisen. Häufig ist hier das Motiv der Gründer als Ursache für eingeringesWachstum auszumachen. Im Fokus der Gründer steht oftmalsnicht allein der finanzielle Erfolg, sondern ebenso das Ziel einen gewissen Lifestyle aufrecht zu erhalten.Charakteristisch hierfür wäre der Leitgedanke„Unabhängigkeit“.In Hinblick auf das existenzielle Bestehen der Unternehmung, hat der fi-nanzielle Aspekt zwar einen hohen Stellenwert, das Erwirtschaften hoher Gewinne und Wachs-tumsraten hat hier jedoch nicht die oberste Priorität. Man spricht hier von Umsätzen von unter 10Millionen USD p.a.(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 2).Die Middle-Market-Ventureshingegen, weisen ein deutlich höheres Wachstum auf. Hier geht spricht man von Umsatzprognosen zwischen 10 und 50 Millionen USD. Welche Ziele bei die-ser Kategorie von Startups im Vordergrund des Wirtschaftens stehen, geben die beiden Au-torinnen nicht an. Hier müsse man eine individuelle Betrachtung der Unternehmen durchfüh-ren, um diese Frage zu klären(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 2). 8Unternehmen, bei denen das Wachstum höchste Priorität hat, bezeichnet man Achleitner und Nathusius zufolge, als High-Potential-Ventures. Kennzeichnend für diese Art von Startups, ist der Fokus auf finanzielle Zielerreichung und die dazu notwendige Wachstumsgeschwindig-keit. Sie agieren häufig in schnell wachsenden Märkten und weisen charakteristisch einen ho-hen Innovationsgrad auf (Achleitner & Nathusius, 2004, S. 2-3).Bezüglich der ersten Kategorie fällt auf, dasshier sehr eindimensional argumentiert wird.So wäre es möglich, dass neben dem Motiv eines unabhängigen Lifestyles des Gründers, eben-falls andere Faktoren für ein beschränktes Wachstumdes Startups verantwortlich sein könn-ten. Ferner ist die gesetzte Grenze des jährlichen Umsatzes von bis zu 10 Millionen USD recht weit gefasst. Folgend wird ergänzend ein weiterer Ansatz vorgestellt, mit dem in Kombination des oben Erwähnten, einholistischeres Bild der Thematik gegeben werden soll.Die Autoren Freiling und Harima (2019) unterscheiden bezüglich der Wachstumsgeschwin-digkeit grundsätzlich zwischen Startups und Scaleups(S. 403). Den Grund für ein beschränktes bzw. langsames Wachstum eines Startups sehen sie vor allem in der häufig zu beobachtenden Unsicherheit der Gründer hinsichtlich der Rahmenbedingungen, die sich ihnenbieten. Diese Unsicherheit spiegelt sich in der Folge in einem sparsamen und vorsichtigen Verhalten wider, das mögliche Wachstumspotenzialebzw. eine Wachstumsorientierungausbremsen kann(Freiling & Harima, 2019, S. 422). Als Scale-upsbezeichnen die beiden Autoren, Startups, die auf großen und wachsenden Märkten agieren. Sie sind in der Lage durch innovative und wiederholbare Geschäftsmodellevirale Effekte zu erzeugen, die zu verschiedentlich stark ausgeprägten Wachstumsraten führen können (Freiling & Harima, 2019, S. 404). Um diese Ausprägungen greifbar zu machen, un-terscheiden sie zwischen folgenden Typologien(Freiling & Harima, 2019, S. 423):•Klassisches Startup Wachstum•Klassisches Scaleup-Wachstum•Fastscaling•Blitzscaling 9Aus konzeptionellen und limitierenden Gründen ist es in der durchgeführten Masterarbeit schwierig, solch eine sehr trennscharfe Differenzierung der befragten Startups bzgl. des Wachstumsvor-zunehmen.Ferner wäre dieseausgeprägte Unterscheidung nicht zielführend bzw. nicht relevant für die Beantwortung der Forschungsfrage. Da Anders in seinem Modell jedoch unterscheidet zwi-schen Faktoren, die in ihrer Gesamtheit für die Qualität eines Businessmodells stehen und Faktoren, die möglicherweise das Skalierungspotenzial eines Startups messen, erscheinteine Abgrenzung sinnvoll. Auch wenn die Definition von Freiling und Harima inhaltlich plausibler erscheint, ist die Diffe-renzierung von Achleitner und Nathusius besser geeignet, um die verschiedenen Wachstums-abstufungender in dieser Masterarbeit befragten Startups abzubilden.Für diese Masterarbeit soll daher unterschieden werden zwischen Startups und wachstumsorientierten Startups.2.2Entwicklung-und Finanzierungsphasen von Startups Bevor im weiteren Verlauf der Masterarbeit auf ausgewählte Methoden zur Bewertung von Startups eingegangen werden kann, soll in diesem Kapitel ein kurzer Überblick über die verschiedenen Finanzierungsphasen von Startups gegeben werden. In der Fachliteratur zu dem Thema Entwicklungsstadien von Startups, wird meistens unterschieden zwischen drei verschiedenen Phasen. Man differenziert allgemeinhin zwischen der Early Stage, Expansion Stage und der Late Stage. An die verschiedenen Lebensphasen eines Startups sind verschiedene Finanzierungsphasengeknüpft(s. Abb. 1). 10Abbildung 1: Kapitalgeber und GründungsphasenAnmerkung: Hahn, 2014, S. 782.2.1Die Early StageStartups in der Early-Stagekonzentrieren sich auf die Produktentwicklung, den Aufbau eines Kundenstamms und der Grundsteinlegung eines starken Cashflows. In diesem frühen Stadium eines Geschäftsmodells geht es meist darum, physische Produkte oder Dienstleistungen fer-tigzustellen und hin zur Marktreife zu entwickeln. Außerdemwird in dieser Phase das Gerüstfür das Geschäftsmodell finalisiert. Der Fokus liegt hier hauptsächlich auf Markt-und Kun-denanalysen sowie Grundlagenentwicklung. In vielen Fällen geht es auch darum, genügend Finanzmittel für die Produktentwicklung zu erhalten(Hahn, 2014, S. 127). Die Early-Stage-Phase wird oft nochmals klassifiziert in die sogenannte Seed-Phase und die Startup-Phase(Fritsch, 2019, S. 87). Junge Unternehmen, die noch ganz am Anfang ihres Lebenszyklus stehen und wenig Startka-pital zur Verfügung haben, müssen i.d.R sehr früh, zurAusweitungihres Geschäftsmodells und Aufbau ihrer Kapitalbasis, externe finanzielle Mitteleinsammeln(Hahn, 2014, S. 29). Dieses Kapital (Seed-Capital)entspringt typischerweise meist entweder aus privater Hand oder 11öffentlichen Fördermitteln(Rudolf & Witt, 2002, S. 26). Reichen diese Mittel nicht aus, das Modell scheint jedoch vielversprechend, kommt es in einigen Fällen zu einer Beteiligung durch sogenannte BusinessAngels. Sie stehen den Gründern dann mit finanziellen Mitteln und in beratender Funktion zur Seite(Hahn, 2014, S. 46). Venture Capital Fonds neigen da-gegen eher seltener dazu, sich in einersofrühen Phase eines Startups zu beteiligen. Beteili-gungen von dieser Seite finden meist erst in der späteren Stufe der Early-Stage, der Startup-Phase, statt, wenn das Produkt kurz vor der Marktreife steht, alle benötigten Analyseergeb-nisse und ausgereifte Marketingkonzepte vorliegen(Fritsch, 2019, S. 86).2.2.2Die Expansion StageDer Übergang von der Startup-Phase in dieWachstumsphase ist fließend und beginnt typi-scherweise dann, wenn das Startup zu einer effizientenundprofitablen Einheit gereift ist(Hahn, 2014, S. 30). Das Unternehmen hat eine finanzielle Stabilität erreichtundhatdurch eine Produkt-und Marktvalidierungeine ausreichende Marktdurchdringung vollzogen(Georg, 2019, S. 27). Die Startup-Aktivitäten konzentrieren sich nun auf die Skalierung des Betriebs, der Prozesse und der Systeme, um mindestens profitabel zu bleiben oder vorzugs-weise zu wachsen und dadurch eine überdurchschnittliche Rendite auf die eingesetzten Res-sourcen zu erzielen (Georg, 2019, S. 29). Während das Startup in die Expansion übergeht, hat es ein starkes Wachstum erreichen kön-nen, das sich im besten Falle fortsetzen wird. In dieser Phase des Lebenszyklus des Startups werden nun neue liquide Mittel benötigt, um etwa die Ausweitung der Produktion, des Ver-triebs oder Marketings zu finanzieren, um weiter wachsen zu können(Hahn, 2014, S. 199). Die benötigten finanziellen Aufwendungen sind in dieser Phase zwar um einiges höher, das Risiko für Kapitalgeber dafür geringer, da ein Startup in dieser Phase häufig in die Gewinnzone ein-tritt und somit den Break-Even-Point erreicht hat. Das Startup konnte nun beweisen, dass das Geschäftsmodell funktioniert und die Gefahr zu scheitern hat sich minimiert (Hahn, 2014, S. 201-202). Dieser Teil des Wachstumsprozesses ist für Startups sehr kapitalintensiv, weswegen die vo-rangegangenen Finanzierungsmodelle nicht mehr ausreichend sind, für einen erfolgreichen Fortbestand. Weitaus größere Geldmengen werdenbenötigt, um von einem kleinen Startup- 12Unternehmen zu einem erfolgreichen mittelständigen Betrieb oder sogar einem innovations-bedingten Vorreiter zu reifen. Große Mengen an Kapital werden meist erst in dieser Phase durch die Beschaffung von Fremdkapital oder durch die Finanzierung von Private Equity undVenture Capital Fonds bereitgestellt. Venture Capitalistsneigen insgesamt zu einer höheren Risikobereitschaft, setzen dafür jedoch auch ein geringeres Investitionsvolumen ein als Private Equity Investoren(Georg, 2019, S. 27-30). 2.2.3Die Late StageUnternehmen in der Late-Stage-Phase konnten eine nachhaltig anhaltende Rentabilität be-wiesen und verfügenüber ein bekanntes Produkt mit einer starken Marktpräsenz. Unterneh-men in dieser Phase haben in der Regel einen Punkt erreicht, an dem sie einen positiven Cashflow generieren und beginnen, mit der Expansion in fremde Märkte zu experimentieren(Georg, 2019, S. 28). Finanzierungsrunden, die in den vorangegangenen Phasen durchlaufen wurden, um das Startup am Leben zu erhalten, sind nicht mehr notwendig. Das Unternehmen kann sich nun vollständig selbstfinanzieren. Wenn nicht zuvor schonangestrebt, wird der Fo-kus in vielen Fällen nun auf den Exit der Gründerpartei und Venture Capital Investoren oder auf einen Börsengang gerichtet(Fritsch, 2019, S. 87). Nachdem nun dargestellt wurde in welche Phasen der Lebenszyklus eines Startups unterteilt wird, wird deutlich, dass nur bestimmte Investorengruppen in der Early-Stage, in Erscheinung treten. Es handelt sich hauptsächlich um Business Angel Investoren und Venture Capital Fonds, die in der Seed-Phase und Startup-Phase Kapital zur Verfügung stellen.3Methoden der Unternehmensbewertung von StartupsDa diese Masterarbeit dazu dient, ein Modell zur Prognostizierung Wachstumspotenzialen von Unternehmen zu validieren, die sich in den Anfängen ihrer Tätigkeiten, also in der Early-Stage-Phase befinden, sollan dieser Stelle eine erste Abgrenzung der Adressaten dieser Mas-terarbeit stattfinden. Das indieserArbeit zu validierendeModellrichtet sich hauptsächlich an zwei Interessens-gruppen:Auf der einen Seite stehen gründungsinteressierte Personen, die eine 13Geschäftsidee in Form eines Businessplans ausgearbeitet haben. Sie können mit Hilfe des Modells mögliche inhaltliche Lücken identifizieren. Es kann also geprüft werden, ob ein ge-plantes Konzept einen ausreichenden Reifegrad besitzt, oder ob aufgrund eines zu geringen Scores weitererAnalysebedarf besteht. Auf der anderen Seite soll dieses Modell als Bewertungsgrundlage für Investoren dienen. Die Interessensgruppe der Investoren besteht in dieser frühen Phase hauptsächlich aus Business Angels, Venture Capital Fonds und Inkubatoren. Sie werden meist mit dem Begriff Venture-Capital-Geber zusammengefasst(Hahn, 2014, S. 57).Siegreifen bei der frühen Bewertung jungen Unternehmen in der Seed-Phase, neben einigen wenigen Methoden, hauptsächlich auf Erfahrungswerte und Daumen-Regeln zurück, um zu entscheiden, ob sich ein Investment lohnt(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 184). Erst in einer späteren Phase des Entwicklungsstadiums eines Startups werden Verfahren angewendet, die basierend auf unternehmerischen Kennzahlen, erfolgswirksame Potenziale eines Startups vor-hersagen sollen(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 183). Um welche Methoden es sich hier handelt, soll im weiteren Verlauferklärt werden.3.1 Anforderungen an die Bewertung von StartupsAn die Bewertung von jungen und wachstumsorientierten Unternehmen sind aufgrund ihrer speziellen Charakteristika, eine Vielzahl von bestimmten Anforderungen geknüpft, um einer verlässlichen Erfolgsbewertung gerecht zu werden. Zu diesen Anforderungen gehören vor allem eine auf die Zukunft ausgerichtete Sichtweise, eine ganzheitliche Betrachtung des Un-ternehmens, sowie ein gewisses Maß an Praktikabilität(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 6-7). Die Bewertung von jungen Startups ist, aufgrund von meist fehlenden vergangenheitsbezo-genen Daten, sehr kompliziert. Eine Bewertung basierend auf schon bestehenden Strukturen und Ressourcen ist demnachnicht sinnvoll. Daher ist es essenziell, dass sich die Bewertung von jungen Startups ausschließlich an zukünftigen Erfolgsaussichten orientiert(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 6). Des Weiteren müssen bei den Kalkulationen sämtliche Stärken und Schwächen des noch jun-gen Unternehmens miteinbezogen werden. Mit diesem ganzheitlichen Bewertungsansatz sollgarantiert werden, dass sich die anfangs bestehende Ressourcenknappheit und die zu Beginn 14typischerweise vorliegenden negativen Unternehmensergebnisse, nicht nachteiligauf eine Bewertung auswirken(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 6). Aus Praktikabilitätsgründen sollte eine Unternehmensbewertungsmethode mit einem ange-messenen Aufwand durchführbarsein. Dies bedeutet, dass die Methode zwar den Anspruch verfolgen soll, dass Unternehmen vollständig abzubilden, jedochsichder damit verbundene Aufwand im Rahmen halten sollte. Das stellt sich bei der Bewertung von Startups jedoch häu-fig als problematisch dar, da vergangenheitsbezogene Daten wie bereits erläutert, oft schlichtweg nicht vorhanden sind. Eine weitere Anforderung, im Sinne der Praktikabilität, ist die Notwendigkeiteiner geringen Komplexität und Transparenz. Dies ist mit Sicht auf poten-zielleVertragsverhandlungen wichtig und soll gewährleisten, dass die gewonnenen Erkennt-nisse für alle Parteien verständlich und nachvollziehbar sind (Achleitner & Nathusius, 2004, S.6-7). Anhand dieser anforderungsrelevanten Kriterien sollen,die im weiteren Verlauf dargestelltenBewertungsmodelle auf ihre mögliche Anwendbarkeit für die Bewertung von Startups in der Early-Stage-Phase hin untersucht und bewertet werden.3.2Exkurs Venture CapitalEine Besonderheit bei der Finanzierung von jungen Startup-Unternehmen besteht darin, dass sie sehr häufig mit Hilfe von sogenanntemVenture Capital durchgeführt werden (Achleitner & Nathusius, 2004, S. 8). Venture Capital, auch Wagniskapital genannt, stellt in der Frühphase eines Startups die Möglichkeit dar, an finanzielle Mittel zum Aufbau der Unternehmensstruk-turen und Entwicklung der Produkte zu gelangen. Dies ist insofern von elementarer Bedeu-tung, da bspw. Fremdkapital in Form von Kreditendurch Banken in der Early-Stage-Phase i.d.R. nicht zur Verfügung stehen (Hahn, 2014, S. 57). Das Beschaffen von Wagniskapital stellt aus diesem Grund einen zentralen Anlass für die Erfolgsbewertung von Startups dar (Achleit-ner & Nathusius, 2004, S. 8). In Hinblick auf die bestehenden Bewertungsmethoden von Startups, die ermitteln sollen, ob Venture Capital zur Finanzierung zur Verfügung gestellt werden kann, erscheint es dahersinn-voll,im Rahmen dieses Exkurses kurz auf die Begrifflichkeiten einzugehen. 15Die Finanzierung durch Venture Capital ist eine besondere Form der Beteiligungsfinanzierung an jungen wachstumsorientierten Unternehmen. Sie zeichnet sich im Besonderen durch das hohe finanziell eingegangene Risiko und gleichzeitig starke Potenzial der Gewinnmaximie-rung aus (Achleitner & Nathusius, 2004, S. 8). Diese Form der Finanzierung lässt sich anhand der folgenden charakteristischen Parameter erkennen:Die Gebervon Venture Capital streben meist nur eine zeitlich begrenzte Beteili-gung der Unternehmen mit dem Ziel eines Exits nach etwa drei bis sechs Jahren im Durch-schnitt an. Eine Verzinsung für das eingesetzte Kapital wird in der Regel nicht veranschlagt, da der Venture-Capital-Investor mit dem angestrebten Exit in Form eines Verkaufs oder Bör-sengangs auf einen Kapitalgewinn am Ende der Beteiligung spekuliert (Achleitner & Nathusius, 2004, S. 9).Neben der finanziellen Beteiligung stellen Venture Capital Geber häufig auch andere Res-sourcen zur Verfügung. Hierbei handelt es sich bspw. um Zugang zu internen Netzwerken, Beratungsleistungen, Bereitstellung von Know-How oder spezifische Infrastrukturen. Dies hat nicht selten den Hintergrund der zielgerichteten Steigerung des Unternehmenswertes durch Kontrolle und Einflussnahme auf den Entwicklungsprozess der Startups (Fritsch, 2019, S 869). Diese Kontrolle wird meistens durch die Vereinbarung von Mitspracherechten eingeräumt und dient dazu, dass das Management des zu finanzierenden Unternehmens die Ziele des Venture Capitalist nicht missachtet. Die Venture-Capital-Finanzierung sieht in den meisten Fällen jedoch nur eine Minderheitsbeteiligung vor. Üblicherweise treten im Verlauf des Le-benszyklus eines Startups mehr als nur ein Venture-Capital-Geber auf, die in verschiedenen Finanzierungsrunden frisches Kapital zur Verfügung stellen (Achleitner & Nathusius, 2004, S. 9). Grundsätzlich kann man, wie in Tabelle 2zu sehen, unterscheiden zwischen zwei Gruppen von Wagniskapital-Gebernin der Early Stage. Zum einen sogenannte Business Angels und zum anderen Venture Capital Fonds. Business Angels treten in der Regel ausschließlich in der Early-Stage-Phase als Investoren auf. Während sie häufig erster Ansprechpartner für Investitionen sind und sich deshalb sehr früh, in der Seed-Phase beteiligen, interessieren sich Venture-Capital-Fonds eher für bereits ausgereiftere 16Konzepte, die einen Schritt weiter sind und sich in der Startup-Phase oder Expansion-Stage und darüber hinaus befinden(s. Tbl. 2). Tabelle 2: Vergleich Business Angels und Venture CapitalAnmerkung: Hahn, 2014, S. 58Die Early-Stagezeichnet sich durch einen hohen Grad an Unsicherheit aus, weswegen Ven-ture-Capital-Fonds meist erst in den späteren Phasen in ein Startup investieren. Im Vergleich dazu ist die Risikobereitschaft der Business Angels weitaus höher-der Kapitalbeitrag dafür niedriger (Hahn, 2014, S 57-58).Die geringe Bereitschaft von Seiten der großen Venture-Capital-Gebern in der Seed Phase zu investieren,könnte ein Indiz dafür sein, dass weiterer Forschungsbedarf bezüglich der Erfolgs-bewertung von Startups in der Seed-Phase besteht. Um dieser Vermutung auf den Grund zu 17gehen, soll nun im nächsten Kapitel ein Überblick über die aktuell in der Theorie vorhandenen und in der Praxis genutzten Methoden gegeben werden.3.3Relevanz und Anlässe von UnternehmensbewertungenDie Bewertung von Startups in Hinblick auf eine mögliche Finanzierung durch Investoren ist essentiell. Nur so kann ermittelt werden, ob und wann sich ein Investment in ein Produkt rentieren wird(Rudolf & Witt, 2002, S. 51). Die Methoden, die es ermöglichen zukünftigen Erfolg von jungen Unternehmen vorherzusagen, sind vielfältig. Sie unterscheiden sich haupt-sächlich in dem Zeitpunkt ihrerAnwendung bzw. in dem Entwicklungsstadium, in dem sich ein Startup befindet(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 197). In der Early-Stage-Phase, in der das von Prof. Dr. Anders entwickelte Modell Anwendung finden soll, existieren bisher jedoch nur wenige Methoden, die sich mit der Bewertung von Startups beschäftigen. Bevor auf diese Verfahren eingegangen wird, soll vorangestellt jedoch zunächst auf die geläufigsten Methoden eingegangen werden, die häufig ab der Expansion-Stage verwendet werden. Dies soll dem Leser ein ganzheitliches Bild der Unternehmensbe-wertungen von Startups verschaffen und mögliche Defizite identifizieren, welche die Relevanz und wissenschaftliche Berechtigung dieser Masterarbeit unterstreicht.Das Durchführen einer Unternehmensbewertung hat immer ein bestimmtes Ziel vor Augen. In der Literatur zu der Thematik wird unterschieden zwischen verschiedenen Anlässen. Unter-teilen lassen sich diese zweckgebundenen Unternehmensbewertungen in zwei Kategorien:Man unterscheidet hier zwischen entscheidungsabhängigen und entscheidungsunabhängi-gen Anlässen. Unter letztere Kategoriefallen folgende Aspekte: Unterstützung einer Kredit-würdigkeitsprüfung, Fälleder Substanzbesteuerung oder Feststellung des Verschuldungsgra-des, insbesondere bei Unternehmen in schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen (Achleitner & Nathusius, 2004, S. 14-15). Die entscheidungsabhängigen Bewertungsanlässe sind noch einmal unterteilt in dominierte und nicht dominierte Situationen. Im Rahmen eines dominier-ten Bewertungsanlass, ist es möglich, dass eine Partei über eine Eigentumsveränderung bzgl. einer anderen Beteiligungspartei verfügen kann. Dies ist im Falle einer nicht-dominierten Be-wertungssituation nicht möglich. Ziel dieser ist es, in Hinblick auf eine Bewertung eines jungen 18Unternehmens, einen freiwilligen Beitritt einer Gesellschaft herbeizuführen. Beispielsweise in die eines Venture CapitalFonds(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 15).Da der Fokus in dieser Masterarbeit auf der Bewertung junger Startups liegt, die ermitteln soll, ob sich ein Investment von Seiten eines Venture Capitalist rentieren kann, erfolgt die Fokussie-rung im weiteren Verlauf der Masterarbeit auf die nicht-dominierten, entscheidungsabhängigen Be-wertungsanlässe. 3.4Systematisierung der BewertungssystemeLaut den Autorinnen Achleitner und Nathusius (2004, S. 24) lassen sich die geläufigen Bewer-tungsmethoden für Startup-Unternehmen in zwei verschiedene Kategorien systematisch un-terteilen. Sie unterscheiden zwischen situationsunspezifischen und situationsspezifischen Be-wertungsmethoden.Situationsunspezifischen Methodenstellen dabei klassische Verfahren dar, die unabhängig von einer bestimmten Bewertungssituation anwendbar sind. Hier wird unterschieden zwi-schen Einzel-und Gesamtbewertungsverfahren. Bei den Einzelbewertungsverfahren wird der Wert eines Unternehmens anhand mehrerer Bestandteile, wie etwa Inventarobjekte, einzeln bewertet und in der Summe zusammengefasst. Da diese Verfahren nicht darauf ausgelegt sind,zukünftige Erfolgsszenarien zu berücksichtigen, sind sie für die theoretische Grundstein-legung dieser Masterarbeit nicht von Relevanz und sind somit für den weiteren Verlauf als redundant zu betrachten. Im Gegensatz dazu erfüllen die Gesamtbewertungsverfahren das Kriterium der Zukunftsorientierung und sollen daher im weiteren Verlauf thematisiert werden.Eine der po-pulärsten Methoden stellt dabei die sogenannte Discounted Cashflow Methode dar (Heesen, 2019, S. 5).Neben denklassischen Einzel-und Gesamtbewertungsverfahrengibt es eine dritte Gruppe von situationsunspezifischen Methoden, die marktorientierten Verfahren. Diese ermitteln den Unternehmenswert durch die Erfassung von beobachtbaren Kapitalmarktdaten. Hierbei werden Marktdaten von Wettbewerbsunternehmenverwendet oder auf Branchen-durchschnittswerte zurückgegriffen (Achleitner & Nathusius, 2004, S. 24-25).Liegt ein bestimmter Anlass für die Bewertung eines Unternehmens zugrunde, werden häufig spezielle Methoden herangezogen, um zukünftige Erfolge sichtbar zu machen. Einer dieser besonderen Anlässe stellt bspw. eine Venture-Capital-Finanzierung dar. In diesem Fall haben 19sich die beiden Gesamtbewertungsverfahren der Venture-Capital-Methode und der First-Chi-cago-Methode als besonders populär, für die Bewertung von Early-Stage-Startupsherauskris-tallisiert. Neben diesen beiden Möglichkeiten der Bewertung haben sich sogenannte Dau-menregeln etabliert, die sich hauptsächlich durch eine geringe Komplexität und einem gerin-geren Zeitaufwand hinsichtlichder Kalkulationauszeichnen (Achleitner & Nathusius, 2004, S. 25).3.5Situationsunspezifische VerfahrenIn diesem Kapitel werden nun die beschriebenen klassischen situationsunspezifischen Be-wertungsverfahren überblicksartig erläutert und auf ihre Möglichkeiten und Grenzen für eine Bewertung von Early-Stage-Startups überprüft.3.5.1 Discounted-Cashflow-VerfahrenDie Discounted-Cashflow-Methode (DCF) ist ein weit verbreitetes Bewertungsinstrument, um den Wert eines Unternehmens zu bestimmen(Koller, Goedhart & Wessels, 2010, S. 137). Sie ist ein Bewertungsverfahren, das verwendet wird, um den Wert einer Investition auf der Grundlage ihrer erwarteten zukünftigen Cashflows zu schätzen(Heesen, 2019, S. 7). Die Cash-flows werden dabei als Zahlungsströme zwischen dem Unternehmen und seiner Umgebung verstanden-also der monetäre Austausch zwischen bspw. dem Unternehmen und seinen Kunden oder Lieferanten innerhalb eines bestimmten Zeitraums(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 29). Die DCFermittelt den Gegenwartswert der erwarteten zukünftigen Cashflows unter Verwendung eines Diskontierungssatzes. Die Grundlage dieses Verfahrensstellendem-entsprechend die prognostizierten Cashflows für zukünftige Perioden dar. Daherhandelt es sich bei dem Verfahren um ein Modell, das mit Annahmen über die zukünftige Entwicklung eines Unternehmens arbeitet (Hommel & Dehmel, 2013, S. 300). Grundsätzlich existieren zweiverschiedene Ansätze zur Durchführung einer DCF. Man unter-scheidet, zwischen Brutto-und Netto-Verfahren(Rudolf & Witt, 2002, S. 79).Bei demBrutto-Verfahren werden für die Bestimmung des Unternehmenswert zunächst die zukünftigen Cashflows diskontiert und in einem weiteren Schritt der Gesamtwert aller im Un-ternehmen befindlichen Fremdkapitalwerte abgezogen(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 53). 20Bei dem Netto-Verfahren, dem Equity-Ansatz, wird dieser Zwischenschritt ausgelassen. Die-ses Verfahren wird meist bei jungen Unternehmen angewendet, da sie häufig eher sehr gering oder gar nicht mit Fremdkapital finanziert werden. Hier werden alle den Eigenkapitalgebern zustehenden zukünftigen Cashflows mit Hilfe eines Kapitalisierungszinssatzes abgezinst. Die-ser Zinssatz stellt die sogenannte risikobeeinflusste Renditeerwartung der Anteilseigner dar (Achleitner & Nathusius, 2004, S. 53-58). Für die Festlegung der zukünftig zu erwartenden Cashflows wird bei dieser Methode im Ide-alfall auf vergangenheitsbezogene Daten zurückgegriffen. Diese sind Ergebnis ausführlicher Analysen der Entwicklung, die das Unternehmen in den vergangenen Perioden vollzogen hat. Anhand dieser Ergebnisse, die mit Blick auf sämtliche Ein-und Auszahlungen, Erkenntnisse über mögliche Erfolgsfaktoren bzw. Misserfolgsfaktoren liefern sollen, versucht man eine Prognose für zukünftige Cashflow-Entwicklungen zu bilden(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 31). 3.5.1.1 Anwendbarkeit in der Early-StageHinsichtlich der Bewertung von jungen Unternehmen, die sich in der Early-Stage und insbe-sondere in der Seed-Phasebefinden, ist dieses Bewertungsverfahrenals problematisch zu bewerten. Dies begründet sich hauptsächlich aus der Tatsache, dasskaum verwendbare Da-ten aus der Vergangenheit verfügbar sind. Und falls Daten verfügbar sein sollten, sind sie eher ungeeignet. Da aufgrund von wachstumsbedingten Anstrengungen tendenziellnegative Cashflows generiert werden, stellen sie keine repräsentative Datenquellefür Prognosen dar (Achleitner & Nathusius, 2004, S. 31-32). Dieses Problem führt dazu, dass das Modell in Bezug auf die Bewertung besonders junger Unternehmen enorm an Praktikabilität verliert und somit als valides Messinstrument für diesen Fall ungeeignet erscheint (Achleitner & Nathusius, 2004, S. 60). Eine weitere Schwäche dieser Methode ist, dass sie sich auf ein bestimmtes erwartetes Sze-nario bzgl. der Qualität der Cashflows konzentriert. Sie erfasst nicht die Flexibilität des Mana-gements, seine Strategie als Reaktion auf eine unerwartete Marktentwicklung anpassen zu können. Gerade in der Frühphase eines Startups, in der Strategiewechsel sehr häufig sind, stellt dieses erwartete Szenario eine große Einschränkung dar (Achleitner & Nathusius, 2004, 21S. 67). In Anbetracht der hohen Misserfolgsrate von Startup-Gründungen, sowie der großen Unsicherheit darüber, wie sich ein Startup inden erläuterten Phasen des Lebenszyklusentwi-ckeln wird, erscheint es wenig sinnvoll, nur ein einziges Szenario zu berücksichtigen(Damo-daran, 2010, S. 213). Für eine Bewertung besonders junger Startups wäre daher eine multidi-mensionale Betrachtung der potenziellen erreichbaren Szenarien von Nöten(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 67). Die DCF-Methode bietet daher nicht den richtigen Ansatz Startups in der Early-Stage adäquatbewerten zu können. 3.5.2Marktorientierte BewertungNeben deroben beschriebenen Methode gibt es die Möglichkeit,den Wert eines Unterneh-mens anhand einer Orientierung der Marktpreise vergleichbarer Unternehmen zu bestimmen.(Kuhner & Maltry,2016, S. 311). Die Grundidee hinter der Verwendung von Multiplikatoren ist, dass ähnliche Vermögenswerte und Unternehmen zu ähnlichen Preisen verkauft werden sollten(Koller, Goedhart & Wessels, 2015, S 165). Bei dieser Form derBewertung werden bestimmte Kennzahlen verwendet, um den Wert eines Unternehmens zu bestimmen. Eine Bewertung wird dann durch die Multiplikation des Durchschnitts einer gegebenen Branchen-kennzahl mit einer bestimmten Bilanzkennzahl des Unternehmens erzielt. Einige der am häu-figsten verwendeten marktorientiertenBewertungskennzahlen sind:Gewinn, Umsatz, Jahres-überschussund derEBIT. Darauf aufbauend werden in der Folge sogenannte Multiplikatoren gebildet. Sie stellen das Vielfache dessen dar, das was auf Basis der zugrunde liegenden Kennzahl für ein Unternehmen oder den Anteil eines Unternehmens in der Vergangenheit gezahlt wurde(Kuhner & Maltry, 2016, S. 312). Bei dem marktorientierten Verfahren kann zwischen zwei Vorgehensweisen unterschieden werden. Mankann dieser Form der Unterneh-mensbewertung entweder auf Basis sogenannter Branchen-Multiplikatoren oder mit Hilfe von Peer-Group-Multiplikatoren durchführen (Achleitner & Nathusius, 2004, S. 119).Entscheidet man sich für ersteres Verfahren, so wird als Bezugsgröße ein Börsendurchschnitt ermittelt und für die Ermittlung angewendet. Wird eine sogenannte Peer-Group herangezo-gen, auf deren Basis ein Multiplikator berechnet wird, so werden gezielt einzelne Unterneh-men identifiziert, die Ähnlichkeit mit dem zu bewertenden Unternehmen aufweisen (Achleit-ner & Nathusius, 2004, S. 122). Die relative Bewertung kann entweder anhand von Handels-multiplikatoren, also Kennzahlen von börsennotierten Unternehmen, oder anhand von 22Transaktionsmultiplikatoren, also Kennzahlen aus vergangenen Fusions-und Übernah-metransaktionen, durchgeführt werden. 3.5.2.1 Anwendbarkeit in der Early-StageDie marktorientierte Bewertung stößt bei dem Versuch Startups in der Early-Stage zu bewer-ten aus verschiedenen Gründen an ihre Grenzen. Erstens können die bei dieser Methode verwendeten Kennzahlen zu negativen Bewertungen führen. Startups, die sich früh imUnter-nehmenslebenszyklus befinden, haben wie bereits erläutert, oft ein negatives Betriebser-gebnis. Es macht daher wenigSinn, diese Kennzahlen mit dem Durchschnitt einer Peer Group zu multiplizieren. Außerdem können Startups, die sich in einer sehr frühen Phase des Lebenszyklus befinden, oft noch keine repräsentativen Umsatzkennzahlen vorweisen, was bspw. die Verwendung der üblichenMultiplikatorenUmsatzoder Gewinnausschließt(Ach-leitner & Nathusius, 2004, S. 122).Zusätzlich zu den Problemen mit denzu verwendenden Kennzahlen,kann esbei der markt-orientiertenBewertung auch zu Komplikationenbei der Identifizierung vergleichbarer Unter-nehmenkommen(Hahn, 2014, S. 136). Ein sinnvollerVergleichvon Startupswäre die Bil-dung einer Peer Group von mehrerenähnlichen börsennotierten Startups. In der Regel sind Startups jedoch nicht börsennotiert, sodass ein solcher Vergleich mit Unternehmen der glei-chen Branche erfolgen muss, die sich in einem späteren Stadium des Unternehmenslebens-zyklus befinden. DieseUnternehmen haben in der Regel andere Risiko-, Cashflow-und Wachstumscharakteristika als das zu bewertende junge Unternehmen, weshalb eine solche Bewertung in der Praxis nicht sinnvoll ist (Achleitner & Nathusius, 2004,S. 125;S. 140).Insgesamt zeichnet sich diese Methode durch ihre relativ einfache und schnelle Durchführ-barkeit aus (Achleitner & Nathusius, 2004, S. 140). Sie hat gegenüber anderen Verfahren den Vorteil, dass durch die objektive Betrachtung vergleichbarer Unternehmenswerte, sub-jektive Einflüsse durch die Annahmen der Investoren ausgeschlossen werden können (Kuh-ner & Maltry, 2016, S. 311). Da die Methoden aber hauptsächlich mit Hilfe von realen und gegenwärtigen Vergleichswerten durchgeführt werden kann, eignet sie sich aus oben ge-nanntenGründen nicht für eine Anwendung bei der Bewertung von Startupsin der Early-Stage-Phase. 233.6 Situationsspezifische VerfahrenNachdem nun ein Überblick über zwei der populärsten klassischen Bewertungsverfahren ge-geben wurde, soll der Fokus in diesem Kapitel auf die situationsspezifischen Methoden ge-richtet werden.3.6.1 Die Venture-Capital-MethodeDie Venture-Capital-Methode (VC-Methode) ist eine Kapitalwertmethode, die die Perspektive des Investors und nicht die des Unternehmens einnimmtund ausschließlich fürdieFinanzie-rung durch Venture-Capital herangezogen wird.Hinter dem Modell steht die Annahme, dass die Finanzierung durch den Investor zeitlich begrenzt ist und er das Unternehmen nach Ablauf der festgelegten Befristung mit einem Kapitalgewinn verlässt(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 145-146).Die Bewertung anhand der VC-Methode geht bei ihrer Berechnung von genau einem Erfolgs-szenarioaus und nimmt an, dass sich der Wert des Unternehmens positiv entwickeln wird. Ein vorteilhafter Exit des Investors wird somit impliziert(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 148).Grundsätzlich werdenfür die Abschätzung des Unternehmenswerteszwei Schrittedurchlau-fen:Zunächst wird eine Schätzung des zukünftigen Unternehmenswert(Future Value)vorge-nommenund im zweiten Schritt wird, durch eine Abzinsung des ermittelten Future Values, der gegenwärtige Wert des Unternehmens bestimmt(Achleitner & Nathusius,2004, S. 147). Für die Bestimmung des Future Values, werden klassische Bewertungsverfahren herangezo-gen. I.d.R. verwendet man für die Berechnung die in Kapitel3.5.2erläuterten Multiplikatoren. Die Schätzung des zukünftigen Unternehmenswerteserfolgt dann anhand folgender Glei-chung(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 148-149):Es gilt: FVT= MKZi,0* KZZU, TMit:FVT=Future Value zum Exitzeitpunkt TKZZU, T=Kennzahl i des Zielunternehmens zum Exitzeitpunkt TMKZi,0=Multiplikator auf Basis der Kennzahl i zum Bewertungszeitpunkt (t=0) 24Für die abschließende Berechnung des gegenwärtigen Unternehmenswertes, wird der be-rechnete Future Value diskontiert. Der gegenwärtige Unternehmenswert (Present Value) ergibt sich dann anhand folgender Gleichung(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 151):Der hier ermittelte Unternehmenswert wird als Post-Money-Bewertung bezeichnet. Dies ist der Unternehmenswert nach Einstieg des Investors. Subtrahiert man die Investitionssumme des Investors von diesem Wert, erhält man die Pre-Money-Bewertung.Sie beziffertden Un-ternehmenswert vor der Investition des Investors(Hahn, 2019, S. 138). Bevor eine Bewertung der VC-Methode hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit für die Bewertung von Startups in der Early-Stagevorgenommen wird, soll nachfolgend zunächst die First-Chi-cago-Methode als zweites situationsspezifisches Gesamtbewertungsverfahren vorgestellt werden.3.6.2Die Chicago-First-MethodeDiese Methode ähnelt in ihrer Konzeption der VC-Methode,sielegt den Fokus jedoch nicht auf ein starr festgelegtes Endergebnis, sondern bezieht bei der Bewertung verschiedene Er-gebnisse in Betracht (Achleitner & Nathusius, 2004, S. 181). Typischerweisewerden dabei drei verschiedene Szenarien betrachtet. Man unterscheidet zwi-schen Best,-Base-und Worst-Case-Scenarios. Im Unterschied zur Venture-Capital-Methode wird das Ausfallrisiko der Investition bei der First-Chicago-Methode nicht in Form eines hohen Diskontierungszinssatzes, sondern mithilfe dieser drei Szenarien abgebildet. In allen Szenarien werden die Cashflows bis zum voraussichtlichen Ausstieg projiziert, wobei der Cashflow des Es gilt: PV0, Post= FVT / (1+r)TMit:PV0, Post=Present Value zum Zeitpunkt 0FVT=Future Value zum Zeitpunkt Tr=Zielrendite des Venture CapitalistT=Exitzeitpunkt T 25letzten Jahres zur Schätzung des Endwertes verwendet wird. Der Investor diskontiert dann die Cashflows der einzelnen Jahre und den Endwert auf der Grundlage der vom Investor gefor-derten Rendite auf die Investition. Nachdem die drei Szenarien festgelegt wurden, wird der Gegenwartswert jedes Szenarios entsprechend der Wahrscheinlichkeit der verschiedenenSzenariengewichtet(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 172-173). Auf eine Darstellung der mathematischen Durchführung wird an dieser Stelle verzichtet. Fol-gend werden beide Methoden nun auf ihre Anwendbarkeit für die Bewertung von Startups in der Early-Stagehin analysiert.3.6.2.1Anwendbarkeit in der Early-StageDie VC-Methode und die First-Chicago-Methode werden häufig von Investoren für die Be-wertung junger wachstumsorientierter Unternehmengenutzt(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 183). Beide Methoden verwenden die von den Investoren geforderte Kapitalrendite als Ersatz für den Diskontierungssatz. Dies stellt die erste Einschränkung dieser Modelledar. Die eingesetzteRenditeerwartungeines Investors ist oft ein Ergebnis subjektiver Meinungen und entspricht daher nicht einer objektiven Risikobewertung. Das bedeutet im Wesentlichen, dass diese Methoden aufgrund von Unterschieden in der Risikowahrnehmung zu unterschiedlichen Ergebnissen zwischen den Investoren führen können.Einer der Hauptkritikpunkte ander VC-Methode ist das Ausblenden eines nicht möglichen Exits in der Berechnung. Dieses Problem kann die First-Chicago-Methode durch die Gewich-tungder verschiedenen Szenarien umgehen und kann so den Entscheidungsrahmen deutlich vergrößern.Bei beiden Verfahren ist die Verwendung von Multiplikatoren jedoch als proble-matisch zu betrachten, da wie bereits in Kapitel 3.5.1.1erläutert, häufig eine stark einge-schränkte Datenverfügbarkeit vorliegt.Darüber hinaus kann das Ergebnis, welches durch die Auswahl einer Peer Group getroffen wurde, stark beeinflusst werden. Um dieses Problem zu umgehen, greifen viele Investoren häufig auf Erfahrungswerte von vergangenenoder ihnen bekanntenInvestitionen zurück. Die damit einhergehende subjektive Einfärbung der Annah-men kann letztlich jedoch zu einem erhöhten Risiko für die geplante Investition führen(Ach-leitner & Nathusius, 2004, S. 181-182). 26Es bleibt abschließend festzuhalten, dass sich beide Verfahren durch ihre niedrigeKomplexi-tätundeine schnelleund transparente Durchführbarkeit auszeichnen. Die Berechnungen ba-sieren auf einer geringen Menge an Daten, die zudem leicht geschätzt werden können. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund der schwierigen Datenbeschaffung zum Zeitpunkt der Early-Stage-Phase ein entscheidender Vorteil gegenüber den bisher vorgestellten Verfahren. Das Ergebnis der Analyse wird jedoch vermutlich durch das häufig sehr subjektive Schätzen von Seiten der Investoren zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.Besondersbezüglich der Bewertung von Startups in der Seed-Phase ist es unwahrscheinlich, dass man für eine mögliche Bewertung auf fundamentale vergangenheitsbezogene Unter-nehmensdaten zurückgreifen kann. Dasselbe gilt für das Heranziehen finanzwirtschaftlicher Kennzahlen von vergleichbaren Startups. Eine Bewertung erfolgt bei den beiden Methoden dementsprechend meist durch das Zurückgreifen auf alternative Erfahrungswerte, womit der Endwert nicht als Ergebnis objektiver Berechnungen gesehen werden kann.3.7DaumenregelnFür die Bewertung von jungen Startupshat der zeitliche Aspekt, der mit dem Prozess der Bewertung einhergeht, einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert. Eine schnelle Entschei-dungsfindung hat vor allem zum Zeitpunkt der Gründung oberste Priorität. Dies hat vor al-lem den Hintergrund, dass die Suche nach Eigenkapital eine zeit-und damit kostenintensive Phase für Gründer darstellt. Im Falle eines Hinauszögerns des Such-bzw. Verhandlungspro-zesses kann es zu Liquiditätsengpässen für dieUnternehmen kommen, die sich direkt auf die Flexibilität eines Startups auswirken können(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 185).Um den Entscheidungsprozessfür eine Investition zu erleichtern und den zeitlichen Faktor damit zu reduzieren, werden häufig sogenannte Daumenregeln für die Bewertung beson-ders jungerUnternehmen herangezogen(Kuhner & Maltry, 2016, S. 314).Folgend werden nun zwei dieserMethoden vorgestellt.3.7.1Die Berkus-MethodeDie Berkus-Methode wurde von Dave Berkus (2009) mit dem Ziel entwickelt,Startups in der Seed-Phase zu bewerten. Er entwickelte diese Methode, hinsichtlich der Problematik, dass 27die meisten Methoden für eine Erfolgsprognose hauptsächlich auf Gewinn-oder Umsatz-kennzahlen als Ausgangspunkt zurückgreifen. Er ist aufgrund seiner Erfahrungen als Investor der Ansicht, dass weniger als eines von tausend Startups die Prognoseerwartungen tatsäch-lich erreichen und dass daher viele Startups, die noch keinen Umsatz generieren,überbe-wertet seien(Berkus, 2012). Um diesem Problem entgegenzuwirken entwickelte er ein Modell, das fünf zentrale Werttrei-berfür ein Startup definiert. Berkus glaubt, dass aus oben genannten Gründen, eine Bewer-tung von Startups in der Seed-Phase nicht anhand von quantitativen Kriterien durchführbar ist, sondern qualitative Bewertungskriterien herangezogen werden sollten. Die von ihm ent-wickeltenElemente sind seiner Definition nach universell auf jedes Startup übertragbar(Ber-kus, 2012). Jedem dieser Faktoren kann dabei ein Wert von bis zu 500.000$ zugewiesen werden. Der maximal erreichbare Wertaller Faktorenzusammen,liegt dementsprechend bei 2.500.000$. Die Höhe der Bewertung der verschiedenen Werttreiber richtet sich nach dem Reifegrad –je ausgereifter der Faktor, desto geringer das Erfolgsrisiko und dement-sprechend höher die Bewertung(s. Tbl. 1).Tabelle1: Die Berkus-MethodeAnmerkung: Eigene Darstellung, adaptiert von Berkus (2012).Durch die festgesetzte Deckelung kann ein Startup durch Bewertung mit der Berkus-Methode also einen maximalen Unternehmenswert von 2.500.000$ erreichen. Da dieses Verfahren aus-schließlichfür die Bewertung von Startups in der Seed-Phase entwickelt wurde, woi.d.R. noch keine Umsätze generiert werden, sollte es in späteren Phasen nicht mehr angewendet werden (Berkus, 2012). 283.7.2 Scorecard-MethodeDie Scorecard-Methodeist wie die Berkus-Methode ebenfalls ein Instrument für die Bewer-tung von Startups, die sich in der Seed-Phase befinden.Das Grundprinzip dieser Methode besteht darin, das zu bewertendeStartupmit typisch angel-finanzierten Startups zu verglei-chen. Es können insgesamt sieben verschiedene Kategorienmit einer für diesen Zweck zu-sammengestellten Peer-Group verglichen werden. Die Bewertung erfolgt marktorientiert in Abhängigkeit zu den Unternehmensbewertungen, der Region und der Branchenzugehörig-keit der Startups in der ausgewählten Peer-Group.Ein Vergleich der Peer-Group mit dem zu bewertenden Startup ist dabei nur dann möglich, wenn sich die Vergleichsunternehmen in derselben Entwicklungsphase befinden(Payne, 2011).Nachdem eine geeignete Peer-Group zusammengestellt wurde, erfolgt im nächsten Schritt einVergleichdes Startups mit Durchschnittswerten der Peer-Unternehmen unter Berücksich-tigung der in der folgenden Tabelle abgebildetenFaktoren:Tabelle 2: Die Scorecard-MethodeAnmerkung: Eigene Darstellung, adaptiertvonPayne(2011).Der aus der Peer-Group gebildete durchschnittliche Startup-Wert erhält pro Kategorie 100%. Der Investor muss für jede Kategorie im Verhältnis schätzen, ob das zu untersuchende Startup unter oder über dem Verhältniswertvon 100%liegt. Die Schätzwerte werden anschließend 29mit den Gewichtungswerten multipliziert und als Faktorwert im Ergebnis angegeben. Die Summe der ermittelten Faktorwerte wirdschlussendlich mit demWert der durchschnittlichen Pre-Money Bewertung aus der entsprechenden Region und Branche multipliziert. Das Ergeb-nis stellt dann den aktuellen Unternehmenswert dar (Payne, 2011).3.7.2.1 Anwendbarkeit in der Early-StageÄhnlich wie bei der VC-Methode handelt es sich bei den Daumenregeln um Bewertungsver-fahren, die mit relativ wenig Aufwand verbunden sind. Der Umstand, dass keine Daten aus vergangenen Perioden für die Bewertung notwendig sind, lässt vermuten, dasssie für eine Anwendung bei der Bewertung von Startups in der Early-Stage gut geeignet sind.Trotz ih-rersimplenAnwendung, wird jedoch deutlich, dass die Daumenregeln in ihrem Ansatz limi-tiert sind.Zunächst einmal haben beideMethoden eine Art Obergrenze. Die Berkus-Methode ist bei einer Maximalbewertung gedeckeltund die Scorecard-Methodeist durch ihreAnpassungen von der durchschnittlichen Bewertung der Branche abhängig. Das bedeutet im Wesentli-chen, dass diese Methoden in der Praxis nichtin der Lage sein werden, einzigartige Bewer-tungen für einzigartige Unternehmen zu generieren. Individualitätwird bei diesen Methodennicht erfasst, woraus geschlossen werden kann, dass sie in ihrer Anwendung zur Bewertung einzigartiger Investitionsfälle stark eingeschränkt sind. Darüber hinaus führt auch bei diesen Methoden dasEinbeziehenvon anpassbaren Faktoren in die Bewertung zu einemhohenMaß an Subjektivität. Viele der Faktoren, die in den unter-suchten Verfahrenanalysiertwerden, sind eher Ergebnis subjektiver Annahmen als Heranzie-hen von objektiven Fakten(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 184). Dieses Problem führt einem vor allem die Betrachtung des Faktors „Gründerteam“ vor Augen. Die Anpassung einer Be-wertung auf Basis dieses Faktors wirft die Frage auf, was ein starkes bzw. schwaches Manage-mentteam ausmacht. Man kann erkennen, dass beide Methoden trotz ihres simplen Ansatzes komplexe Fragen aufwerfen, die in der Praxis schwer zu beantworten sind.Schlussendlich fehlt bei beiden Verfahren eine Zukunftsorientierung,die wie bereitserläutert wichtig ist, um bei jungen Startups Annahmen über zukünftige Entwicklungen treffen zu kön-nen. 303.8 Abschließende BetrachtungDie Analysen der verschiedenen Methoden haben gezeigt, dass die situationsspezifischen Bewertungsinstrumente weniger komplex in ihrem Aufbau sind und weitaus weniger Infor-mationen über das zu bewertende Unternehmen benötigenals die situationsunspezifischen Verfahren. Dies macht sie für die Anwendung im Bereich der Startup aus der Early-Stage zu-nächstattraktiv. Im Gegensatz dazu, ist die Verwendung der situationsunspezifischen Verfahren vor allem in der Early-Stage als problematisch zu sehen, da keine verlässlichen Informationen etwa zu Umsatzentwicklungen herangezogen werden können. Erst wenn Startups in ihrer Entwick-lung einen Schritt weiter gehen und die nächste Stufe im Lebenszyklus erreichen, ist es sinn-voll,komplexere Instrumente wie die DCF-Methode,zu verwenden. Hier ist es dann wahr-scheinlicher, dass aufgrund der höheren Verfügbarkeit von fundamentalen Unternehmens-daten die Prognose zukünftiger Erfolgsaussichten objektiver und präziser getroffen werden kann. Gleiches gilt für die marktorientierten Methoden. Die Eignung für die Bewertung von Startups in der Early-Stage ist daher als nicht sehr hoch zu bewerten.Die situationsspezifischen quantitativen Verfahren eignen sich im Gegensatz dazu weit bes-serfür die Bewertung von Startups in der Early-Stage. Dies ist vor allem der geringen Kom-plexität und des geringen notwendigen Datenumfangsgeschuldet. Dennoch ist auch hier kritisch anzumerken, dass die für diese Methoden notwendigen Daten über zukünftige Un-ternehmensentwicklungen hauptsächlich von den Venture-Capital-Gebern geschätzt wer-den. Da Schätzungen über zukünftige Entwicklungen in der Regel sehr schwierig sind, sind solche Berechnungen häufig recht fehleranfällig(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 182). Die mit der Verwendung von Multiplikationen verbundene Problematik hinsichtlich der Anwen-dung der Chicago-First-Methode wurde bereits ausreichend erläutert und ist in im Kontext der Bewertung von Startups in der Early-Stageebenfalls kritisch zu bewerten.Die dargestelltenDaumenregeln scheinen zunächst sehr gut geeignet,erste Annahmen über die Bewertung eines Startups vor allem in der Seed-Phase zu treffen. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass sie recht limitiert in ihrer Funktion sind, eine individuelle Aussage über ein Startup zu treffen. Ihre Deckelung und Abhängigkeit von der Bewertung 31anderer Unternehmen bei ihrer Berechnung macht eine individuelle Bewertung, die über die gesetzten Grenzen hinaus geht, schlicht unmöglich. Sie vereinfachen und beschleunigen zwar den Bewertungsprozess durch ihre geringe Kom-plexität, lösen jedoch nicht das häufig in dieser Masterarbeit thematisierte Problem der Subjektivi-tät, da die Performance des Zielunternehmensvon den Investoren für die Bewertung ins Verhältnis gesetzt werden muss.Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt an den Daumenregeln besteht in der fehlenden Zukunfts-orientierung des Bewertungsprozesses. Sowohl die Berkus-Methodeals auch die Scorecard-Methode orientieren sich bei der Bewertung des Zielunternehmens an Werten vergangen-heitsbezogener Investitionsentscheidungen und ziehen ähnliche Unternehmen für einen Ver-gleich heran. Sie dienen also hauptsächlich dazu, den Wert eines Startups in einerMoment-aufnahme festzuhalten.Der Faktor Wachstum als Erfolgstreiber wird bei dieser Form der Be-wertung nicht berücksichtigt. Da Wachstum immer ein zukunftsbezogener Prozess ist, wer-den zukünftigePotenziale nicht in die Berechnung miteinbezogen. Besonders bei sehr jun-gen Startups ist diese Dimension für den Investitionsprozess jedoch entscheidend. Esbleibt festzuhalten, dass die Daumenregeln für die Bewertung von Startups in der Seed-Phase durch ihren qualitativen Ansatzgegenüber den quantitativen Methoden insgesamt vorteilhaft zu bewerten sind. Durch die erläuterten Kritikpunkte, vor allem aber durch das Treffen subjektive Annahmen über den Zustand des Zielunternehmens zum Zeitpunkt der Bewertung, sind auch dieseErgebnisse sehr abhängig von der Erfahrung und dem Wissen eines Investors über bspw. bestimmte Branchen. Man kann zusammenfassend auf Basis der Analysen zu dem Schluss kommen, dass die dar-gestellten Methoden keine hinreichende Qualität für die Bewertung von Startups in der Early-Stagebieten.Während die quantitativen Methoden erst mit Hilfe von Daten aus ver-gangenenPerioden Prognosen über zukünftige Entwicklungen über das zu bewertende Un-ternehmen treffen können, konzentrieren sich die qualitativen Verfahren auf den gegenwär-tigen Wert eines Unternehmens und orientieren sich dabei an anderen Unternehmen und den subjektiven Einschätzungen der Investoren. Bezüglich der Einschätzung zukünftiger Wachstumsraten gehen die quantitativen Methoden ähnlich vor. 32Jede der vorgestellten Methoden stößt auf bestimmte Weise an ihre Grenzen, den zukünfti-gen Erfolg eines Startups in der Early-Stagevorherzusagen.Abgeleitet aus der Analyse der verschiedenen Methoden und einer Umfrage der Wirt-schaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhousecoopers(PWC, 2020)wird in der folgenden Ab-bildung ein Überblick über die hier dargestellten Methoden hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit in den verschiedenen Startup-Phasen gegeben. Abbildung 2: Bewertungenim LebenszyklusAnmerkung: Eigene DarstellungDie Ergebnisse aus der genannten Studiesind unterteilt in Early-, Growth-und Later-Stage. Es wird jedoch nicht unterschieden zwischen Seed-und Startup-Phasein der Early-Stage.Es kannaufgrund der dargestellten Ergebnisse mit Blick auf die Anwendbarkeit angenom-menwerden, dass alle hier dargestellten Methoden, nur bedingt einsetzbar sind für die Early-Stage. Die PWC-Masterarbeit kommt zu dem Ergebnis,dass die Bewertung in der Early-Stage hauptsächlich mittels Multiplikatoren und der VC-Methode durchgeführt wird. Die First-Chicago-Methode wird hingegen eher selten bis nie angewendet. Dies deckt sich mit den Erkenntnissen aus der Literatur-Analyse, dassbei sehr jungen Startups aufgrund der schwierigen Datenlage auf weniger komplexe Methoden zurückgegriffen wird. Des Weite-rengibt der Großteil der in der Masterarbeit befragten Investorenan, dass die Bewertung von 33Startups in der Early-Stage hauptsächlich anhand von Erfahrungswertengetroffen wird(PWC, 2020, S. 18). Der Farbverlauf in der Abbildung betont daher mit abnehmender Stärke die subjektive Einfärbung der Ergebnissein den verschiedenen Phasen. Je älter ein Startup wird, desto objektiver sind die Ergebnisse der Bewertungsmaßnahmen. Ein Verfahren, das durch objektive Berechnungen das Wachstumspotenzial eines Startups in der Early-Stageprognostizieren kann, konnte in der Fachliteratur nicht identifiziert werden. Daraus lässt sich schließen, dass eine Forschungslücke im Bereich der Startup-Forschung existiert und unterstreicht die Relevanz der dieser Masterarbeit zugrundeliegenden Forschungs-frage.Im Folgenden soll nun ein Ansatzvorgestellt werden, mit dem es möglich sein könnte,die Forschungslücke durch die Übersetzung von qualitativen Fragen in einquantita-tives Modell zu schließen.4 Business Model Score von AndersDas in dieser Masterarbeit zu validierendeModell,wurde von Prof. Dr. Masterarbeit konzi-piertund befindetsich seitdemim Entwicklungsprozess.Auf seiner Website ist jedoch bereits eine Beta-Version(v.1.1.0)des Modells öffentlich zugänglich(Anders, 2021). Da aktuell noch kein Name für das Modell angegeben wurde, soll es im weiteren Verlauf dieser Masterarbeit der Einfachheit halber als Business Model Score Modell(BMSM) betiteltwerden. Grundgedanke des Modells ist es, durch Abfragen bestimmter Parameter, den Reifegrad und die Skalierungsfähigkeit eines Businessmodells zu ermitteln(Anders, 2021). Die in diesem Mo-dell gegebenen Fragestellungen leiten sich aus der von Anders entwickelten Business Model Component Map(BMCM)ab (Anders, persönliches Gespräch, 27.01.2021). Laut Anders hängtder Erfolg eines Unternehmens unmittelbar mit der Qualität seines Busi-nessplans zusammen. Folgendes Zitat ist aufseiner Website zu finden(2021):„The proof of the Business Model is in itscalculation“.Dies kannso interpretiert werden, dass je besser ein Businessplan ausgearbeitet ist, desto höher istdie Wahrscheinlichkeit für den Erfolg einesUnternehmens. Ein Businessplan umfasst seiner Ansicht nach, alle Aktivitäten eines Unternehmens, die fundamental wichtig sind, um 34einen Wert zu generieren(Anders, 2021). DieseessenziellenAktivitäten bzw.Bestandteile für einBusinessmodell, hat Anders auf einer Karte visualisiert. Diese Karte, diesogenannte Busi-ness Model Component Map ist eine Weiterentwicklung des Business Model Canvas(BMC) (Anders, p.G., 27.01.2021).Die BMCM wurde 2019 entwickelt und ist aus der Überlegung heraus entstanden, dass die in der Fachliteratur existierenden Konzepte zur Entwicklung von Geschäftsmodellen unvollständig seien.Da es sich hier um eine Weiterentwicklung handelt, greift sie zwar den Grundgedanken des BMC auf, geht jedoch weiter ins Detail und versucht so einen breiterenBlickwinkel auf das Unternehmen zu ermöglichen(Anders, p.G., 27.01.2021). Entscheidender Unterschied zu den aktuell in der Literatur verfügbaren Business-modellierungen,ist die Fokussierung auf die Wertgenerierung. Anders geht davon aus, dass moderne Unternehmen sich nicht mehr hauptsächlich auf die Gewinnmaximierung konzent-rieren, sondern vielmehr eine allgemeine Wertschöpfung im Zentrum der unternehmerischen Tätigkeit steht. Daher nimmt dieser Gedanke eine zentrale Position in seinem Modell ein. Ferner hat er dreiweitere thematische Blöckeentwickelt, die in ihrer Gesamtheitden Aufbau eines Unternehmens abbilden sollen. Alle vierBlöcke sind insgesamt in 17 verschiedene Ka-tegorien unterteilt (s. Abb. 1).Abbildung 3: BMCM nach AndersAnmerkung: Eigene Darstellung. Adaptiert von Anders, 2021 35Wie obenbeschrieben orientiertsich Anders bei der Konzipierung seines Modells an den Bestandteilen der BMCM.Durch die Beantwortung der spezifischen Fragen, die inhaltlich je-weils einer Kategorie aus der BMCM zugeordnet sind, werden drei verschiedene Summen (Scores) gebildet.Die Antwortmöglichkeiten sind in Form einer vier-stufigen Likert-Skala an-geordnet, mit einem Zusatzfeld, das die Möglichkeit bietet, die Frage zu überspringen(An-ders, 2021).Die erste gebildete Summe, der Core-Score bildet die in der folgenden Abbil-dung zu sehenden Kategoriender BMCMab:Abbildung 4: BMSM | Core-Score von AndersAnmerkung: Eigene Darstellung. Adaptiert von Anders, 2021Diese Kategorien stellen nach Ander ́s Definition alle zentralenBestandteile eines Unterneh-mens dar. Ihre Definition in Bezug zum Geschäftsmodell hat vor allem zum Zeitpunkt der Gründung oberste Priorität. Diesem Ansatz folgendsoll durch die Beantwortung der hierauf bezogenen Fragen ein Score ermittelt werden, der den Reifegrad eines Businessmodells,hin-sichtlich der Kernbestandteile des Unternehmens,abbildet(Anders, p.G., 27.01.2021). 020406080100 1. Produkt & Kundennutzen2. Wettbewerb3. Märkte4. Kunden5. Ressourcen6. Branding & Marketing7. Kanäle & Preise8. Umsatzgenerierung9. Kostenmanagement10. Betriebsergebnis &Liquidität11. UnternehmenswertBUSINESS MODEL SCORE | CORE 36Im nächsten Schritt kann ein weiterer Score gebildet werden. Dieser setzt sich ausden restli-chen sechs Kategorien der BMCM zusammen(s. Abb. 3). Abbildung 5: BMSM | Strategy-Scorevon AndersAnmerkung: Eigene Darstellung. Adaptiert von Anders, 2021Der Strategy-Score bezieht sich zwar ebenfalls auf die Planungsqualität und die Vollständig-keit des Businessmodells, fokussiert sich dabei aber auf die strategische Seite des Unterneh-mens. Diese Bestandteile des Businessmodells eines Unternehmens sind ebenfalls fundamen-tal wichtig, für den Zeitpunkt der Gründung jedoch zunächst von nachrangiger Bedeutungund solltenerstin einem weiteren Schritt geplant werden(Anders, p.G., 27.01.2021).Innerhalb der verschiedenen Fragenkategorien befinden sich einzelne Fragen, die ermitteln sollen, ob das zu untersuchende Konzept Skalierungspotenziale besitzt. Durch Beantwortung dieser skalierungsspezifischen Fragenwird ein weiterer Score gebildet, derAuskunft darüber 02040608010012. Umwelt, Gesellschaft,Governance13. Unternehmensmgt &Organisation14. Betrieb & Funktionen15. Lieferanten & Lieferungen16. Dienstleister17. PartnerBUSINESS MODEL SCORE | STRATEGY 37geben soll, wie gutdie Skalierungsfähigkeit des zu prüfenden Businessmodells ausfällt(An-ders, 2021).Der Fokus aller Fragen liegt hauptsächlich auf vorhandenen Ressourcen und Gegebenheiten, Kenntnisse der Gründer über fachspezifische Inhalte, wie etwa über vorhandene Märkte, Ziel-gruppen oder finanzmathematische Fähigkeiten. Des Weiteren werden Fragen gestellt, die Erkenntnisse darüber sammeln sollen, ob bestimmte wachstumsfördernde Gegebenheiten vorliegen. Gefragt wird hier etwa nach der Größe der Märkte oder nach der Komplexität der Produkte(Anders, 2021). Eine Detailansicht aller gestellten Fragen findet sich inAnhang2.Eigenen Aussagen zufolge entwickelte Anders sein Model basierend auf jahrelanger Kredi-terfahrungundErfahrungswerten, die er im Laufe seiner Masterarbeit als Wirtschaftswissenschaftler und seinem Engagement in der Startup-Szene gesammelt hat. Darüber hinaus begründet sich sein Modell auf dem Studium derFachliteraturmit Blick auf die Analyse vergleichbarer Sco-ringmodelle(Anders, p.G., 27.01.2021).Ziel dieser Masterarbeit ist es, wie eingangs erläutert, diese Fragen mittels einer Umfrage auf ihre Validität hin zu prüfen. Die in der Befragung angeführten Fragen, sind größtenteils deckungs-gleich mit den Fragen im BMSM und werden daher erst im weiteren Verlauf der Arbeit inhalt-lich näher beleuchtet. Bevor dies geschieht, soll das Modell jedoch zunächst auf seineAn-wendbarkeit für eine Bewertung von Startups in der Early-Stageanhand der Kriterien von Achleitner und Nathusius geprüft werden.4.1 Anwendbarkeit in der Early-StageAuch wenn sich dieses Modell noch im Entwicklungsprozessbefindet und noch nicht ausrei-chend getestet wurde, soll unter der Annahme einer theoretisch korrekten Funktionsweise die Anwendbarkeit für die Bewertung von Startups in der Early-Stageuntersuchtwerden.Venture-Capital-Geber sind häufig einer großen Anzahl von Finanzierungsanfragen in ihrem Arbeitsalltag ausgesetzt und müssen dementsprechend täglich viele Entscheidungen hin-sichtlich der Berücksichtigung einzelner Businesskonzepte fällen(Anders, p.G., 27.01.2021). 38Statistisch gesehen kommencirca 90% der vorgelegten Businesspläne nicht über das Stadium einer ersten Sichtung hinaus, da sie entweder für nicht geeignet befunden werden oder der Grad der Ausarbeitung nicht ausreichend für eine Analyse ist (Rudolf & Witt, 2002, S. 32).Dieser Umstand führte zu der Überlegung,ein Modell zu entwickeln, das den Auswahlprozess durch Vorselektion der Konzepte erleichternkönnte(Anders, p.G., 27.01.2021).Im Gegensatz zu den anderen hier vorgestellten Methoden, wird bei diesem Modell kein quantifizierbarer Unternehmenswert als Ergebnis der Analyse ermittelt, sondern Annahmen darüber getroffen, wie gut das Modell ausgearbeitet ist und wie viel Potenzial esbesitzt zu skalieren. Das Skalierungspotenzial eines Geschäftsmodells ist ausschlaggebend für die Ent-scheidung eines Investors,finanzielle Mittel und andere Ressourcen zur Verfügung zu stellen(PWC, 2020, S. 11). Annahmen über die Skalierungsfähigkeit werden jedoch häufig anhand vonsubjektiven Erfahrungswerten seitens der Investoren getroffen(PWC, 2020, S.18). Dies ist ein Risikofaktor, den dieses Modell minimieren könnte. Durch dieHypothese, dass Skalie-rungspotenziale universell vorhersagbar sind, versucht das BMSM eine Einfärbung der Bewer-tungsannahmen durch Subjektivität zu vermindern(Anders, p.G., 27.01.2021).Neben der Re-duzierung des zeitlichen Aufwandes des Deal-Flow-Prozesses der Investoren, könnte dieses Modell ferner dazu dienen, getroffene Schätzungen bezüglich der Skalierungsfähigkeit eines Startups zu untermauernoder zu widerlegen.Während andere Methoden durch die beschränkte Verfügbarkeit von historischen Unterneh-mensdaten nur eingeschränkt nutzbar sind für die Bewertung von Unternehmen in der Seed-oder Startup-Phase, kommt das BMSM ohne fundamentale Unternehmensdaten ausvorheri-gen Perioden aus. Da Startups vor allem in der Seed-Phase keine vergangenheitsbasierten Daten vorweisen können, ist dies als positiv und vorteilhaft zu bewerten.Ein weiterer wesentlicher Vorteil gegenüber anderen Verfahren liegt in der geringen Komple-xität und Transparenzdes Bewertungsprozesses. Die Beantwortung der Fragen ist ohne gro-ßen Aufwand verbunden und durch die überschaubare Anzahl der Parameter ist der Prozess schnell und unkompliziert durchlaufbar. Für eine schnelle Entscheidungsfindung könntedie-ses Modell dementsprechendsehr gut anwendbarsein.Insgesamt zeichnet sich dieses Mo-dell daher, wenn auch nur theoretisch,durch ein hohes Maß an Praktikabilität aus. 39Wie in Kapitel 3.6.1erwähnt sollte bei der Bewertung von noch jungen Startups der Fokus nicht allein auf einem möglichen Erfolgsszenario liegen, wieesbspw. bei der VC-Methodeder Fall ist. Vielmehr ist es wichtig, aufgrund der hohen Entwicklungsdynamik eines Startups, ebenfalls mögliche Schwächen bei der Bewertung zu berücksichtigen, wie es etwa bei der First-Chicago-Methode möglichist. Durch das systematische Sichtbarmachenvon Defiziten in der Planungsqualität bzw. hinsichtlich möglicher Skalierungspotenziale in allen wichtigen Bereichen desGeschäftsmodells, erlaubt das BMSM einen ganzheitlichen Blick auf das Ge-schäftsmodell. Insgesamt können Stärken und Schwächen eines Startups so schnell identifi-ziert und bewertet werden. Bevor im weiteren Verlauf näher auf die potenziellenErfolgsfaktoren nach Anders eingegan-gen wird, soll zunächst der Begriff Unternehmenserfolg definiert werden und auf seine Mess-barkeit hin untersucht werden. Dies ist mit Blick auf die durchgeführte empirische Erhebung und der Beantwortung der in dieser Arbeit vorstehenden Forschungsfrage von wesentlicher Bedeutung.4.2 Definition und Messung von ErfolgDie Definition von Unternehmenserfolg ist ein schwer greifbares Thema und nicht einheitlich festsetzbar(Jacobsen, 2006, S.36). Jacobsen beschreibt in ihrem Buch Erfolgsfaktoren bei der Unternehmensgründung(2006), dass der Begriff Erfolg perspektivisch differenziert be-trachtet werden kann. Sie führt folgende vier verschiedene Betrachtungsdimensionen von Er-folg an (S. 36):•subjektiv oder objektiv•bimodal, multimodal oder kontinuierlich•abstrakt•finanziell oder nichtfinanziellWährend die subjektive Beurteilung von Erfolg hauptsächlich auf den Erkenntnissen und An-sichten einer einzelnen Person basiert, wird für die objektive Überprüfbarkeit von Erfolg auf vergleichbare und messbare Kriterien zurückgegriffen. Bei der bimodalen Erfolgsmessung un-terscheidet man zwischen Erfolg und Misserfolg. Die multimodale Methode geht einen Schritt 40weiter, indem sie Erfolg in verschiedene Abstufungen unterteilt. Die kontinuierliche Erfolgs-messung ermitteltden Erfolg, mit Hilfe von zeitlichen undfinanziellen Verläufen. Misst man den Erfolg nach abstrakten Maßstäben, so ist das Erreichenbzw. Nichterreichenvon Erfolg an bestimmte Ziele oder Erwartungen geknüpft(Jacobsen, 2006, 36.In der Literatur zu betriebswirtschaftlichen Erfolgsmessung wirdErfolg hauptsächlich über be-stimmte Kennzahlen definiert. Hier werden finanzielle Faktoren wie Unternehmensergebnisse herangezogen. Für outputbezogene Kennzahlen werden etwa die Profitabilität, Produktivität, Marktanteiloder Gewinnwachstum herangezogen(Kraus, 2006, S.55). Die meisten dieser Kennzahlen sind für die Erfolgsbewertung von Startups jedoch ungeeig-net, da sie beispielsweise die Gewinnzone ofterst nach mehreren Jahren erreichenund somit etwa die Messung anhand des Gewinnwachstumoder der Profitabilitätnicht universell an-wendbar ist(Hahn, 2014, S. 57). Aufgrund der Vielfalt aller existierenden Geschäftsmodelle, ist es sehr schwer anhand von einzelnen Indikatoren eine vergleichende Kennziffer zu finden, die eine universelleVergleichbarkeit herstellen kann(Jacobsen, 2006, S. 36-39).Um die Aus-sagekraft der Erfolgsermittlung zu erhöhen, können mehrere Indikatoren ausgewählt und in Kombination abgefragt werden (Kraus, 2006, S. 56). In dieser Arbeit sollendaher verschie-dene Indikatoren herangezogenwerden,um alsNährungsmaße einevalide Vergleichbarkeitdes Faktors Erfolgherzustellen. Im Folgenden werden nun ausgewählteIndikatoren vorgestelltund erläutert, welche dieser Indikatoren herangezogen werden, um den Erfolg der befragten Unternehmenvergleichendzu erheben.4.2.1 Indikatorenzur Messung von ErfolgDie Messung desErfolgsvonStartups wird allgemeinhin als problematisch angesehen, da viele Variablen vor allem in der frühen Phase der Gründung noch nicht vorliegen oder noch nicht genügendAussagekraft besitzen(Achleitner & Nathusius, 2004, S. 122). Häufig wird die Überlebensfähigkeit eines Startup-ups als Kriterium für Erfolg angegeben. Dies ist in den letzten Jahren jedoch immer wieder kritisiert worden. Jacobsen ist der Mei-nung, dass ein Nichtüberleben nicht zwangsläufig für Misserfolg stehe, da eine Aufgabe des 41Unternehmens ebenso in einem Verkauf resultieren könnte, was sehr wohl als Erfolg für den Gründer zu verstehen ist. Ebenso muss ein Überleben eines Startups nicht für erfolgreiches Wirtschaften stehen, wenn das Fortbestehen an eine hohe Verschuldung geknüpft wird und das Scheitern nur um einige Jahre herausgezögert wird(Jacobsen, 2006, S. 37-38).Das Gewinnwachstum erscheint ebenfalls, wie bereits erwähnt,als nicht aussagekräftig ge-nug, da Startups häufig erst in einer späteren Phase der Tätigkeit Gewinne erwirtschaften. Dies kann erst nach einigen Jahren der Fall sein und liegt meist daran, dass wachstumsorien-tierte Startups eineWachstumsstrategie verfolgen. Diese Strategie erfordert hohe Investitio-nen in Kundenakquise, Marketingkampagnen, und etwa die Erschließung neuer Märkte (Ru-dolf & Witt, 2002, S. 91-92). Das Gewinnwachstum qualifiziert sich also in der vorliegendenUntersuchungnicht als valider vergleichender Indikator, um den Erfolg der zu untersuchenden Startups zu ermitteln.Dennoch gibt es wissenschaftlich belegte Zahlen, die herangezogen werden können, um den Erfolg von Startups zu erfassen. Eine in der Literatur häufig herangezogene Kennziffer ist die des Umsatzes(Jacobsen, 2006, S. 39). Er ist zum einen ein Indikator für den Erfolg, damit ihm Annahmen darüber getroffen werden können, wie stark das angebotene Produkt auf Nach-frage trifft. Dies wiederum lässt darauf schließen, ob ein Markt für das jeweils untersuchte Startup vorhanden ist (Witt & Rosenkranz, 2002, S. 91). Zum anderen haben Studiendas Um-satzwachstum als validesMaß für den Erfolg eines Startupsidentifiziert,da andere verschie-dene unternehmerische Erfolgszahlen in hohem Maße mit dem Umsatz korrelieren. Hierzu zählen bspw. der Cash-Flow, Umsatzrendite und die Break-Even-Distanz (Jacobsen, 2006, S. 40). Ein weiterer Erfolgsindikator, der zur Messung verwendet werden kann, ist das Kunden-bzw. Userwachstum eines Startups (Böing, 2001, S. 50). Bei erfolgreichen wachstumsorientierten jungen Unternehmen in der Gründungsphase ist es meistens der Fall, dass ein starkes Kun-denwachstum zu beobachten ist. Erst in einer späteren Phase des Lebenszyklus eines Unter-nehmens flacht diese Entwicklung wieder ab (Rudolf & Witt, 2002, S. 231). Da die Untersu-chung junger Startups Gegenstand dieser Masterarbeit ist, bietet sich das Erheben des Kun-denwachstums folglich als naheliegende Vorgehensweise an, um den Erfolgzu messen. 424.2.2 Festlegung der Indikatoren zur Messung von ErfolgDer Einschätzung folgend, dass eine Kombination aus verschiedenen Erfolgsindikatoren zu genaueren Messergebnissen führt, wird in dieser Masterarbeit auf mehrere Indikatoren zu-rückgegriffen. Dieses Vorgehen ermöglicht es,die Schwächen einzelner Indikatoren auszu-gleichen und somit eine höhere Aussagekraft zu erreichen (Kraus, 2006, S. 56). In dieser Masterarbeit wird für die Messung des Erfolgs von Startups daher auf die Indikatoren UmsatzwachstumundKundenwachstumzurückgegriffen.Mit der Kombination dieser Indika-torensoll es möglich sein, ein breites Spektrum verschiedenerGeschäftsmodelle verglei-chend zu untersuchen.DerGrad des Erfolges orientiertsich bei der vorliegendenUntersu-chung an dem Grad des Wachstums. Je höher die Ausprägung des Wachstums, desto größer sei hierder Unternehmenserfolg.Nachdem in diesem Kapitel über die Definition von Erfolg aufgeklärt wurde und die Indikato-ren zur Messung des Erfolgs, der in dieser Masterarbeit untersuchten Startups festgelegt wurde, sollen nachfolgend die Erfolgsfaktoren nach Anders beleuchtet werden. 4.3 Erfolgsfaktoren nach AndersAbschließendwerden nun die Faktoren dargestellt und erläutert, die in dieser Untersuchung herangezogen wurden, um die vorliegende quantitative Erhebung durchzuführen. Die nach-folgendeVeranschaulichung der Erfolgsfaktoren, soll hier nicht allein aus Darstellungsgrün-den durchgeführt werden, sondern soll darüber hinaus durch eine Literaturanalyseeine erste theoretische Validierung der einzelnen Themenbereiche ermöglichen.Da der Fokus dieser Masterarbeit auf der Validierung des BMSM liegt, sind die in dieser Untersuchung herangezogenen Faktoren größtenteils deckungsgleich mit denen des BMSM. Hinsichtlich der Vielzahl der Fak-toren in Anders Modell, konnten aufgrund des zeitlich begrenzten Umfangs dieser Masterar-beit nicht alle Faktoren mit in die Untersuchung einbezogen werden. Eine Auflistung der ge-nutzten bzw. nicht genutzten Fragen befindet sich inAnhang2.Grundsätzlich wird im BMSM, wie auch in dieser Masterarbeit unterschieden zwischen Erfolgs-faktoren, die den grundsätzlichen Erfolg eines Startups messen und solchen, die eine skalie-rende Wirkung entfalten könnten(Anders, p.G., 27.01.2021).Sowohl die durchgeführte 43quantitative Untersuchung als auch die folgende Literaturanalyse mit Blick auf die Erfolgsfak-toren nach Anders zeichnen sich durch einen explorativen Forschungsansatz aus. Aus diesem Grund werden nicht alle Faktoren inhaltlich überprüfbar sein und müssen anschließend durch die Untersuchungsergebnisse der Umfrage auf ihre Relevanz hin überprüft werden.Weiterhin muss mit Blick auf die Vielzahl der grundsätzlichen Erfolgsfaktoren eine Begrenzung der Literaturanalyse stattfinden. Daher sollen nicht alle einzelnen dieser Fragen isoliert be-trachtet werden, sondern müssen als Konstrukte betrachtet werden. Die inhaltliche Validie-rung der Skalierungsfaktoren kann aufgrund der geringen Anzahl isoliert erfolgen.4.3.1 Erfolgsfaktor GründerpersonDer Erfolgsfaktor Gründerperson findet bisher zwar noch keine Beachtung in Anders Model, soll aber dennoch in dieser Masterarbeit auf seine Wirksamkeit hin untersucht werden. Die in dieser Masterarbeit zu untersuchenden Faktoren bzgl. der Gründerperson beinhalten Ab-schluss, Alter, Berufserfahrung und die Anzahl der Mitbegründer des befragten Gründers.Der Fokus liegt hierbei also auf der Betrachtung der demografischen Merkmale.Während die Autorin Jacobsen in ihrem Buch „Erfolgsfaktoren bei der Unternehmensgrün-dung Entrepreneurshipin Theorie und Praxis“ (2006)annimmt, dass die demografischen Merkmale eines Gründers keinen Einfluss auf den Erfolg eines Startups haben (S. 48), zeichnen aktuellere Statistiken ein anderes Bild.Der ehemalige Gründer und VentureCapitalist Tama-seb hat eine Recherche der 195 größten Startups weltweit und Interviews mit Gründern von 15 der wertvollsten Startups geführt. Dazu zählen unter anderem Zoom, Github, Paypal, Nest und Brex(Tamaseb, 2021). Des Weitereninterviewte er renommierteVCswie Peter Thiel, Elad Gil und Alfred Lin. Er fand unter anderem heraus, dass einige demografische Eigenschaf-ten der Gründer charakteristisch herausstachen und somit direkt in Verbindung mit Erfolg gebracht werden können. Bezüglich des Bildungsabschlusses fand er heraus, dassderBachelor-und Masterabschluss die mit Abstand verbreitetesten Abschlüsse unter Gründern sind(Tamaseb, 2021).Außerdem konnte er ermitteln, dass mehr als die Hälfte der Gründer in seiner Untersuchung über 35 Jahre alt sind. Er ist daherder Ansicht, dass es ein Irrglaube sei, dass Startups, die einen Milliarden-Wert erreichen,hauptsächlich von jungen Studienabbrechern gegründet 44werden. Das durchschnittliche Alter liegt in seiner Untersuchung zwischen 24 und 36 Jahren. Er konnte des Weiteren herausfinden, dass die durchschnittliche Arbeitserfahrung bei über zehn Jahren liegt und dass die global erfolgreichsten Unternehmen meist von 2-3 Gründernzusammen aufgebaut wurden(Tamaseb, 2021).Aufgrund der Inkonsistenzder Annahmenvon Tamaseb und Jacobsen, soll hier,aus einem Forschungsinteresse heraus,untersucht werden, inwieweit die erhobenen demografischen Charakteristika eine Rolle spielen.Keinem dieser Faktoren wird dabei eine skalierende Wir-kung zugeschrieben.4.3.2 Erfolgsfaktor Produkt und KundennutzenDiese Kategorie befasst sich mit dem Wertangebot des Unternehmens und dem Nutzen, den ein potenzieller Kunde überzeugen könnte. Löst der Konsum eines Produktes ein bestehen-des Problem auf der Kundenseite, so liefert es einen Nutzen, der einem Unternehmen Vorteile im Wettbewerb bieten kann. (Freiling & Harima, 2019, S. 125). Kann ein Produkt am Markt nicht überzeugen, so ist das Scheitern eines Startups wahrscheinlich (Georg, 2019, S. 40). Die in dieser Kategorie enthaltenen Faktoren beziehen sich hauptsächlich auf dasentwickelte Produkt und den Kundennutzen, den es erfüllen soll. Im Detail werden hier nach der konzep-tionellen Vorbereitung der Gründer und positiv vorliegenden, erfolgsbeeinflussenden Gege-benheiten gefragt. So soll ermittelt werden, wie genau die Gründerden Kundennutzen und ein möglicherweise vorhandenes Alleinstellungsmerkmal formulieren konnten. Weitere Fak-toren erfragen den Grad der Entwicklungsstufe des Produkts zum Zeitpunkt der Gründung und ob bereits ausreichend ermittelt wurde, wie hoch die benötigten Investitionen für die Produktentwicklung ausfallen (Anders, 2021). Die für dieseKategorie entwickelten Faktoren zur Abfrage der Skalierungsfähigkeit des Star-tups beschäftigen sich mit der Frage, ob Netzwerkeffekte, ein geringer Komplexitätsgrad des Produktes und die Möglichkeit einer günstigen Weiterentwicklung zu einer Skalierung beitra-gen würden(Anders, 2021).Die Komplexität eines Produkts ist ausschlaggebend für eine breite Nutzung. Wird ein gewisser Grad an Anwendungskomplexität überschritten, so kommt es zu einer Überreizung und führt zu einer Abkehr der Nutzer. Je geringer die Komplexität eines Produktes also ist, desto anwenderfreundlicher ist es und hat somit das Potenzial für 45eine breite Masse an Konsumenten nutzbar zu sein (Zeh, 2017, S.295). Zu ähnlichen Ergeb-nissen kommt Tamaseb in seiner Untersuchung. Er fand heraus, dass fast 50% der Startups in seiner Masterarbeit Produkte mit einer sehr geringen Komplexität anbieten. Unternehmen mit kom-plexen, sogenannten Deep-Technologies stellen nur einen geringen Anteil in seiner Studiedar (Tamaseb, 2021). Dem Faktor Netzwerk wird in der Literatur zu Erfolgsfaktoren von Startups ein starker wachs-tumsfördernderEinfluss zugeschrieben. Der Zugang zu Netzwerken ermöglicht jungen Unter-nehmen neue Perspektiven hinsichtlich der Erschließung neuer Märkte und sammeln von Know-How durch erfahrenere Gründer (Schwenker & Bötzel, 2006, S. 33-34).Ob die Möglichkeit der günstigen Weiterentwicklung eines Produkts zu einer Skalierung eines Startups beiträgt, konnte durch die Literaturrecherche nicht verifiziertwerden. Dies soll im Verlauf des empirischen Teils durchdie Analyse der Befragungsergebnisse ermittelt werden.4.3.3 Erfolgsfaktor WettbewerbDie Analyse des Wettbewerbsumfeld ist essenziell für die Gründung eines Startups. Hier kann ermittelt werden, wie viele und welche Wettbewerber auf dem Zielmarktagieren. So können Marktchancen abgeschätzt werden und Annahmen über Marktpotenziale getroffenwerden (Hahn, 2014, S. 108). Die Kategorie der Wettbewerbsfaktoren beziehen sich in dieser Untersuchung bei der Ab-frage hauptsächlich auf die Analyse der Wettbewerber,vor Eintritt in den oder die Zielmärkte. Hier wird erfragt, ob jegliche Konkurrenzprodukte erfasst, analysiert und verglichen wurden. Darüber hinaus wird gefragt, ob der Zielmarkt zum Eintrittszeitpunkt, für ein weiteres Produktgroß genug war(Anders, 2021). Bezüglich desSkalierungspotenzials wird gefragt, ob das angebotene Produkt bei seiner Ein-führung einen hohen Grad an Einzigartigkeit besaß. Verfügt ein Konzept oder ein Produkt über Alleinstellungsmerkmale, so wirkt sich das nicht nur auf positiv auf mögliche Marktpo-tenziale aus, sondern kann darüber hinaus zu einer erhöhten Skalierbarkeit führen.Diesen Rückschluss kann man aus der Masterarbeit Tamasebs ziehen. Er schreibtdort, dass die meisten der untersuchten Startups zwar mit vielen etablierten Unternehmen auf ihren Märkten im 46Wettbewerb stehen, sich ihre Produkte jedoch sehr stark von den Konkurrenzprodukten dif-ferenzieren (Tamaseb, 2021). Der Faktor Alleinstellungsmerkmal kann somit als entscheiden-der Wettbewerbsvorteil definiert und dementsprechendals skalierender Faktor interpretiert werden.4.3.4 Erfolgsfaktor MärkteDie Fähigkeit eines Entrepreneurs Marktchancen zu erkennen und bei ihrer Gelegenheit zu ergreifen zählen als die fundamentalsten und erfolgsfördernden Fertigkeiteneines Gründers (Jacobsen, 2006, S. 81). Marktchancen bieten sich vor allem dann, wenn eine große Anzahl von Kunden gegeben und das Potenzial stetigen Wachstums der Zielgruppe vorhanden ist. Grundvoraussetzung,um Marktchancen ergreifen zu können,sind ausreichende und weitrei-chende Kenntnisse über die Märkte, in die man mit seinem Produkt eintreten will(Blank & Dorf, 2014, S. 141). Die dieser Kategorie zugeordneten Faktoren sollen messen, wie ausgereift die Kenntnisse der Gründer bzgl. ihrer Zielmärkte, zum Gründungszeitraum waren. Darüber hinaus soll er-mittelt werden, ob die Märkte ein großes Volumen zum Zeitpunkt der Gründung vorweisen konnten und ob es möglich war, schnell eine hohe Kundenreichweite aufzubauen(Anders, 2021). Nicht allein die Größe des Marktes ist jedoch ausschlaggebend für die Skalierbarkeit eines Produktes, sondern ebenso die Viralität und mögliche und nutzbare Netzwerkeffekte müs-sen gegeben sein. Die Viralität beschriebt dabei die exponentielle Ausbreitung des Produk-tes am Markt bzw.das Aufbauen einer hohen Kundenreichweite (Freiling & Harima, 2019, S. 431).Dass die Marktgröße einen wesentlichen Faktor für die Skalierbarkeit von Startup dar-stellt, kann man ebenso den Ergebnissenentnehmen, die Tamaseb durchStudie gewinnenkonnte. Er fand heraus, dass über 60% der untersuchten Startups in bereits sehr große Märkte eintraten und nicht etwa durch Nischenprodukte neue Märkte eröffneten und ver-suchten dort dasMarktvolumenzu steigern. (Tamaseb, 2021).Eine skalierende Wirkung schreibtAnders in seinem Modell der Gegebenheit großer Märkteund der Möglichkeit eine große Kundenreichweite zu erreichen zu (Anders, 2021). Die oben genannten Punkte untermauern die Berechtigung dieser Annahmen. Im Kontext der 47Skalierung wird des Weiteren gefragt, ob das Produkt einfach international zu vertreiben sei (Anders, 2021). Aussagen dazu, konnten in der Fachliteratur nicht identifiziert werden. Die statistische Untersuchung soll darüber Aufschluss geben.4.3.5 Erfolgsfaktor KundenAufgrund der zu anfangs sehr begrenzten Ressourcen von Startups ist es besonders wichtig eine ausreichende Zielgruppenanalyse durchzuführen. Mit Hilfe der gewonnen Erkenntnisse einer solchen Analyse können Kundengruppen identifiziert werden, die besonders von der Lösung des Problems profitieren würden (Freiling & Harima, 2019, S. 124). Die Definition der Zielgruppe ist jedoch nur der Anfang. Die weiterePlanung und Kontrolle über den Auf-bau und Entwicklung der potenziellen Kunden ist ebenso essenziell(Hahn, 2014, S. 108-110).Im Fokus der Kategorie „Kunden“ steht im BMSM hauptsächlich die Analyse der Kunden-entwicklung und die Berechnungen für das Erreichen des Break-Even-Point.Das Speichern von Kundendaten in einer geeigneten Datenbank und damit verbundene Möglichkeit des Verhaltensanalyse der Kunden, soll im BMSM eine skalierende Wirkung auf das Startup messen(Anders, 2021). Auch hier konnten in der Literatur keine Hinweise auf die Validität der Annahme gefunden werden.4.3.6 Erfolgsfaktor RessourcenWie im vorherigen Kapitel erwähnt,sind jegliche Ressourcen bei einer Unternehmensgrün-dung in der Regel sehr knapp(Neumann, 2017, S. 39). Dabei spielen Schlüsselressourcen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung eines Produktes oder Anbieten einer Dienst-leistung. Besonders in Wachstumsmärkten können Sie bspw. Wettbewerbsvorteile bieten und so den Erfolg eines Startupsnachhaltigunterstützen. Sie bilden darüber hinaus die Ba-sis des gesamten Wertschöpfungsprozess eines Startups und können einen entscheidenden Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg haben. Allgemeinhin werden sie klassifiziert in finanzielle, physische, humane und immaterielle Ressourcen. Letztere bezeichnen vor allem Ressourcen in Form von Wissen, Kompetenzen, Patentenund Daten (Freiling & Harima, 2019, S. 127). 48Die sowohl in Ander ́s Model als auchhier zur dessen Validierung verwendeten Faktoren zur Messung des Erfolgs, beziehen sich in ihrer Gesamtheitauf die erläuterten Ressourcen.Auf die Formulierung wachstumsfördernder Erfolgsfaktoren hat Andersin seinem Modelbis-her verzichtet(Anders, 2021). Aus diesem Grund werden auch in dieser Untersuchung für die Kategorie Ressourcen keine erhoben. Read Less