Add Thesis

Der Einfluss von sozialen Netzwerken auf die Identitätsentwicklung in der Adoleszenz

Written by J. Frie

Paper category

Bachelor Thesis

Subject

Business Administration>Communication & Media

Year

2019

Abstract

Bachelorarbeit: Die Identität des Menschen entwickelt sich grundlegend im Jugendalter. Der junge Erwachsene verändert sich sowohl psychisch als auch physisch, grenzt sich von der Familie ab und ordnet sich neu einer sozialen Gruppe zu. Durch die Interaktion mit Gleichaltrigen sammelt er eigenständig neue Erfahrungen und entwickelt eigene Wertvorstellungen. Durch soziale Netzwerke im Internet entstehen insbesondere für Jugendliche neue Möglichkeiten, diverse Rollen durchzuspielen und sich zu entfalten, um daraufhin die eigene Identität zu festigen. Jedoch sind diese Plattformen auch mit Risiken verbunden: Die Abgrenzung zwischen der Realität und dem inszenierten, vermeintlich perfekten Leben in den sozialen Netzwerken fällt vielen Jugendlichen schwer. Vor allem bearbeitete Bilder, die makellose Körper zeigen, erzeugen ein unrealistisches, häufig nicht erreichbares Idealbild. Als Folge können Unzufriedenheit und Selbstzweifel durch anhaltende Vergleiche entstehen. Hieraus ergibt sich die Forschungsfrage dieser Arbeit: ‚Inwieweit beeinflussen soziale Netzwerke die Identitätsentwicklung von 18- bis 24-Jährigen?‘. Diese wurde mithilfe einer Online-Befragung untersucht. Die folgenden Hypothesen sind im Rahmen der Untersuchung aufgestellt worden: Hypothese 1 ‚Je höher die Nutzungsdauer, desto weniger Selbstvertrauen.‘ und Hypothese 2 ‚Je mehr die passive Nutzung, desto höher die Selbstzweifel.‘. Während die erste Hypothese durch die Ergebnisse der Forschung bestätigt werden konnte, ist dies bei der zweiten Hypothese nur zum Teil der Fall: Die Umfrageresultate belegen sie nur teilweise. Die Hauptthese der Arbeit ‚Soziale Netzwerke beeinflussen das Selbstbild negativ und verstärken die Unzufriedenheit des Jugendlichen‘ konnte durch die Ergebnisse dagegen überwiegend bestätigt werden. Identitätsentwicklung in der Adoleszenz: Eine der relevantesten Entwicklungsphasen für die Identität durchlebt der Mensch im Jugendalter, das die Zeit zwischen dem Kindesalter und des pflichtbewussten Erwachsenen definiert. Diese Phase wird besonders im psychologischen Kontext als „Adoleszenz” (Jungbauer, 2017, S.184) bezeichnet. Der Begriff „Pubertät” (Herpertz- Dahlmann, Bühren & Remschmidt, 2013, S. 432) wird dagegen in der Biologie oder im sozialwissenschaftlichen Bereich verwendet. In der Adoleszenz entfernt sich das Kind zunehmend von dem familiären Umfeld, um eigenständig verschiedene Rollen und Funktionen durchzuspielen und sich somit der eigenen Identität bewusst zu werden. Die Identitätsbildung ist laut Habermas (2008, S. 364) kein geschlossener Vorgang, sondern erfolgt in verschiedenen zentralen Segmenten wie im Sexualleben oder in der Karriere. Die jeweilige Relevanz dieser Bereiche unterscheidet sich dabei individuell. Sie entwickeln und festigen sich allerdings am stärksten durch Erfahrungen in der Adoleszenz. Laut Arnett (2000, S. 473) kann sich ein Jugendlicher auf zwei verschiedene Arten entwickeln. Einerseits ist es möglich, dass er seine Eigenschaften aus dem Kindesalter beibehält beziehungsweise sie nach den Vorstellungen seiner Eltern und Umgebung weiterentwickelt. Andererseits kann der Jugendliche den Abschnitt der sogenannten „Identitätsexploration” (Habermas, 2008, S. 366) durchleben: In dieser Phase spielt er unterschiedliche Rollen durch und verändert seine Prioritäten. Diese Art der Entwicklung ist in der Regel zeitintensiver (Arnett, 2000, S. 473). Laut Rossmann (2012, S.156) setzt sich die Identität aus der Selbst- und Fremdwahrnehmung zusammen. Sie umfasst die eigene Einschätzung von Stärken, Schwächen und die Repräsentation eigener Prioritäten. Die Identität entwickelt sich zwar im Laufe des Lebens weiter, jedoch erfolgt die Identitätsfindung und -festigung überwiegend in der Adoleszenz. Durch Konflikte, Herausforderungen und Veränderungen, sowohl auf physischer als auch auf psychischer Ebene, wird die Zeit des Jugendalters nach dem Modell von Erikson der Identitätsbildung zugeordnet (Erikson 1974, zitiert nach Rossmann, 2012, S. 156). Die Theorien des Psychoanalytikers Erik H. Erikson (1904 bis 1994) bilden in dem Bereich der Identitätsfindung und der Entwicklung in der Adoleszenz die Basis weiterer Ansätze (Misoch, 2018, S. 37). Daher ist es notwendig, deren wesentliche Aspekte in Schlussfolgerungen zur persönlichen Identitätsentwicklung einzubeziehen. In dem „Stufendiagramm” (Erikson, 2000, zitiert nach Misoch, 2018, S. 37) werden die acht Entwicklungsabschnitte im Leben eines Menschen behandelt. Da im Rahmen dieser Arbeit die Entwicklungsphasen bis zum Jugendalter wesentlich sind, werden an dieser Stelle nur die fünf Stufen bis zur Adoleszenz erläutert. In dem ersten Lebensjahr entsteht das Vertrauen gegenüber den engsten Mitmenschen, während sich in den darauffolgenden zwei Jahren die Selbstständigkeit ausbildet. Eine mangelhafte Entwicklung in dieser Zeit kann spätere Schamgefühle und Unsicherheiten zur Folge haben. In den hierauf folgenden beiden Jahren, bei Vier- und Fünfjährigen, wird die „Initiative” (Erikson, 2000, zitiert nach Misoch, 2018, S. 37) bedeutend. In dieser Zeit können sowohl das Gefühl von Erfolg als auch Schuldgefühle ausgelöst werden. Es folgt die Schulzeit, in der sich Strebsamkeit entwickeln kann. In diesem Zeitraum können durch fehlenden Eifer zudem Minderwertigkeitsgefühle entstehen. Diese Stufen wirken sich, je nach erfolgreicher beziehungsweise misslungener Bewältigung, auf die Phase der Adoleszenz aus. Sie ermöglichen oder erschweren es dem Heranwachsenden entsprechend, die eigene Identität zu finden (Rossmann, 2012, S. 157). Wenn die Identitätsentwicklung in der Adoleszenz fehlerhaft erfolgt, kann dies zu einer sogenannten „Identitätsdiffusion” (Habermas, 2008, S.3) führen, die sich negativ auf die Empfindungen des Individuums auswirken kann. Dies äußert sich beispielsweise in Beziehungsunfähigkeit oder dem Gefühl von Einsamkeit. Rossmann (2012, S. 157) erklärt die Diffusion als eine Spaltung in der Identität, die durch Unsicherheiten in unterschiedlichen Bereichen wie der Sexualität oder der Arbeitswahl deutlich wird. Die Identitätsentwicklung ist demnach ein wesentlicher Bestandteil der Adoleszenz. Hierzu gehört auch die Bildung eines gut entwickelten Selbstbildes, das sich aus der gelungenen Durchführung von vorherigen Prozessen, beispielsweise durch die Identifizierung mit einer bestimmten Gemeinschaft oder aus schulischem Erfolg, ergibt. Entwickelt sich die Selbstwahrnehmung negativ, steigt die Gefahr von späteren depressiven Verstimmungen und Angstgefühlen (Sowislo & Orth, 2013, zitiert nach Lohaus, 2018, S. 43). Elterliche Betreuung als auch eine Erziehung mit zu geringen Grenzen und Regeln. Des Weiteren kann die Trennung oder psychische Störungen der Eltern eine seelische Erkrankungen des Jugendlichen verursachen. Bezogen auf den Freundeskreis besteht die Gefahr, durch die Zugehörigkeit zu einer kriminellen Gruppe psychische Erkrankungen auszubilden. In Hinsicht auf den gesellschaftlichen Aspekt können hier zudem Faktoren wie das Aufwachsen in einer finanziellen Notlage und in armen Vierteln bedeutsam sein (Herpertz-Dahlmann et al., 2013, S. 435). Depressionen treten bei Kindern und Jugendlichen überwiegend im Alter zwischen 11 und 14 Jahren auf. Ausnahmen wie eine psychische Erkrankung eines Elternteils können allerdings ein früheres Einsetzen bedingen (Lohaus, 2018, S. 262). Im Jahr 2000 wurden 61 Jugendliche im Alter von 10 bis 19 Jahren aufgrund dieser Diagnose in den Hamburger Krankenhäusern behandelt. Zwölf Jahre später hatte sich diese Zahl bereits verachtfacht (Ten Have, 2014, S. 1). Laut Faust (o.D., S. 6) steigt der Anteil von Jungen, die eine Depression entwickeln, im Alter zwischen 15 und 18 Jahren um das Vierfache, von 1 % auf insgesamt 4 %. Bei Mädchen in diesem Alter erhöht sich der Anteil an dieser psychischen Störung laut der Statistik von rund 4 % auf 23 %. Gründe für die Depressionen sind ein geringes Selbstwertgefühl, Unsicherheiten mit sich selbst, Motivationsschwierigkeiten oder Teilnahmslosigkeit. Als Folge der Erkrankung vernachlässigen Jugendliche häufig Freizeitbeschäftigungen und brechen soziale Beziehungen zu Gleichaltrigen ab. Außerdem verschlechtern sich schulische Leistungen, zusätzlich empfinden sie schneller Müdigkeit und Erschöpfung bei bereits geringem Arbeitsaufwand. Manche Jugendliche vernachlässigen zudem die Körperpflege (Lohaus, 2018, S. 263). Read Less