Add Thesis

Nachhaltigkeitsinnovationen in der Viehwirtschaft

Das Beispiel In-Vitro-Fleisch

Written by Anonymous

Paper category

Term Paper

Subject

Business Administration>General

Year

2019

Abstract

Hausarbeit: Im Jahr 2050 werden nach Angaben der UNO1rund 9,6 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Die zunehmende Kaufkraft der wachsenden Weltbevölkerung ist ein Grund dafür, warum die Nachfrage nach Fleisch bis zum Jahr 2050 um 85 % im Vergleich zum Jahr 2006 steigen wird.2Eine Herausforderung, die mit diesemBevölkerungswachstum einhergeht, ist die Gewährleistung der Ernährungssicherheit. Gleichzeitig ist die Verminderung des CO2-Ausstoßes zur Eindämmung des Klimawandels eines der wichtigsten globalen Ziele der nächsten Jahrzehnte. In diesem Spagat lässt sich die Frage nach einer nachhaltigen Ernährung in der Zukunft verorten.Viehwirtschaft (Erzeugung tierischer Produkte) und Ackerbau (Erzeugung pflanzlicher Produkte) werden zusammen als Landwirtschaft bezeichnet. Die Landwirtschaft gehört zusammen mit der Forstwirtschaft und der Fischerei nach der Einteilung in Wirtschaftssektoren zum primären Sektor (Urproduktion).3Die 940.000 ArbeitnehmerInnen in der Landwirtschaft erwirtschafteten im Jahr 2016 nur 0,4 % der Bruttowertschöpfung in Deutschland.4Dennoch hat die Landwirtschaft eine große volkswirtschaftliche Bedeutung, die u.a. auf eine enge Vernetzung mit anderen Wirtschaftsbereichen zurückzuführen ist. Die Zahl der Rinder in Deutschland belief sich im Jahr 2018 auf 12,1 Mio. und die der Schweine auf 26,9 Mio.5Die intensive Tierhaltung in Deutschland (v.a. in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen) bleibt dabei nicht ohne (Umwelt-) Folgen: Durch Überdüngung werden beispielsweise hohe Nährstoffeinträge in Boden, Wasser und Luft verursacht. Der Anbau von Mais-Monokulturen zur Futtermittelproduktion hat eine Senkung der Artenvielfalt zur Folge. Insgesamt verursachten Ackerbau und Viehzucht im Jahr 2016 zusammen ca. 7,2% (oder 909 Mio. t) der ausgestoßenen CO2-Äquivalente in Deutschland. Insbesondere der Ausstoß von Methan und Lachgas leistet aufgrund der hohen1DGVN (2015), S. 1.2Chemnitz, C. (2018), S. 10.3Duden (2016), Stichwort: Landwirtschaft.4Umweltbundesamt (2018), S. 12.5Umweltbundesamt (2018), S. 12.4 Klimawirksamkeit einen großen Beitrag zu den THG-Emissionen.6Die Tierhaltung an sich sowie die Verdauung der Futtermittel durch die Tiere verursachen etwa 1/3 der Treibhausgasemissionen, die in der Landwirtschaft entstehen.7Die Folgen des steigenden Fleischkonsums werden ohne maßgebliche Veränderungen im Zuge der wachsenden Weltbevölkerung weiterhin verstärkt werden.Angesichts dieser existierenden Herausforderungen und einer wünschenswerten Transformation Richtung Nachhaltigkeit fragt diese Hausarbeit danach, welche nachhaltigen Innovationen in der Viehwirtschaft existieren und welche Potentiale die Innovation „In-Vitro-Fleisch“ (folgend als „IVF“) aufweist,einen Beitrag zuökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit zu leisten. Um diese Forschungsfrage zu beantworten, wird in Kapitel 2 zunächst ein Überblick über bereits existierende nachhaltige Innovationen in der Viehwirtschaft gegeben. Anschließend werden die Innovation IVF und ihre Entstehungsgeschichte, der Herstellungsprozess und die Umsetzung durch verschiedene Start-Ups vorgestellt. Daran anknüpfend wird die Innovation IVF unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten bewertet und Hemmnisse und Kritikpunkte aufgezeigt, bevor abschließend in Kapitel 6 ein Fazit gezogen wird.2. Nachhaltige Innovationen in der ViehwirtschaftInnovationen waren in der Land-und Viehwirtschaft schon immer notwendig, um mit abnehmender (menschlicher) Arbeitskraft zunehmend mehr Menschen ernähren zu können. Die Innovationstreiber in der Land-bzw. Viehwirtschaft im21.Jahrhundert sind vielfältig: Zum einen geben globale gesellschaftliche Veränderungen (Bsp. Klimawandel, Digitalisierung) Anstoß, diese auch in der Land-undViehwirtschaft mitzudenken. Aber auch wiederkehrende Lebensmittelskandale sowie der starke Preiswettbewerb bestärken insbesondere tierwohl-und effizienzorientierte Innovationen. Zunehmend ausdifferenzierte Lebensstile und damit verbundene veränderte Konsumentenansprüche geben ebenfalls Impulse für Innovationsgeschehen.86Umweltbundesamt (2016), Stichwort: Emissionsquellen –Landwirtschaft.7Umweltbundesamt (2018), S. 38.8Bokelmann und König (o.J.), S. 2.5 Vier wesentliche Innovationen der vergangenen fünf bis zehn Jahre, die u.a.Bezug auf diese Treiber nehmen, werden im Folgenden kurz skizziert.„Farming 4.0“ oder„Digital Farming“ ist als Ausdruck dessen zu verstehen,wie Digitalisierung Einzug in die Arbeitsprozesse der Landwirte erhält. Es werden beispielsweise Webcams in den Ställen installiert. Diese ermöglichen es dem Landwirt, das Wohlergehen seines Viehs zu beobachten. Bei der Futtermittelproduktion geben Sensor-und Geoinformationssysteme Aufschluss über die richtigen Düngemittel bzw. messen den Nährstoffgehalt der Böden. Bereits 53% der Landwirte nutzen sogenannte „digitale Vernetzungen“.Eine Innovation, die eine Steigerung des Wohlergehens der Tiere zum Ziel hat, ist die sogenannte„Tier-Technik-Kommunikation“. Das bedeutet, dass Tiere mithilfe von Sensoren beobachtet werden und so Indikatoren für das Wohlbefinden der Tiere erfasst werden. Die Stalltechnik reagiert automatisch auf Bedürfnisse der Tiere: WennSchweine beispielsweise im Sommer signalisieren, dass es ihnen zu heiß ist, wird automatisch die Kühlung angestellt. Zukünftig ist denkbar, dass Tiere mithilfe der Stalltechnik auch selbst ihre Haltungsbedingungen je nach Bedarf verändern können.9Mit 3D-Druckmethodenkönnen aus pürierten oder geschmolzenen Zutaten (u.a. auch Fleisch) mithilfe eines automatisierten Druckers personalisierte Nahrungsmittel hergestellt werden. Der Nährstoffgehalt der Pürees kann individuell an die Bedürfnisse des Konsumentenangepasst werden.10Der 3D-Druck zählt zu den sogenannten additiven Fertigungsverfahren. Das bedeutet, dass das gewünschte Produkt durch Auftragen des jeweiligen Lebensmittelrohstoffes hergestellt wird.In-Vitro-Fleisch (oder auch: kultiviertes Fleisch, Cultured Meat, Laborfleisch,Clean Meat11)beschreibt das „Ergebnis von Gewebezüchtung mit dem Ziel,Fleisch zum menschlichen Verzehr im industriellen Maßstab synthetisch herzustellen“.12Fleisch wird also künstlich im Reagenzglas gezüchtet.9Schrader, L. (2017), S. 13. 10EUFIC (2018), S. 1.11Sachstand Bundestag In-Vitro-Fleisch (2018), S. 4. 12Wikipedia (2018), Stichwort In-Vitro-Fleisch.6 Im Fokus des Innovationsgeschehens in der Viehwirtschaft stehen derzeit vor allem Prozessoptimierungen (Effizienzsteigerung der eingesetzten Ressourcen) bzw. die Gesundheit und eine Steigerung des Wohlbefindens der Tiere. Insgesamt lässt sich der Nachhaltigkeitsgrad in der Viehwirtschaft als noch ausbaufähig beschreiben. Sowohl Digital Farming als auch die Tier-Technik-Kommunikation sind nach ihrem Veränderungsumfang als Inkremental-Innovationen zu bezeichnen. Das heißt, dass sie auf die Optimierung von Produkten und Prozessen ausgerichtet sind. Sowohl beim 3D-Druck als auch bei IVF handelt es sich um Radikal-Innovationen, die das gesamte System der Fleischproduktion, wie es bisher bekannt ist, verändern könnten. Während die Produkte aus dem 3D-Drucker eher für die Fertigung individueller Produkte geeignet sind, hat IVF das Potential, grundlegende Veränderungen im Herstellungsprozess von Fleischprodukten zu bewirken und den CO2Ausstoß im Gegensatz zur konventionellen Fleischproduktion stark zu reduzieren (siehe Kapitel 4.2). Aus diesen Gründen wird im Folgenden die Innovation In-Vitro-Fleisch vertieft beleuchtet. Read Less