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Be in the Loop: Circular Economy & Strategic Sustainable Development

Written by N. Bechtel, R. Bojko & R. Völkel

Paper category

Master Thesis

Subject

Business Administration>Management

Year

2013

Abstract

Masterarbeit: Die derzeitigen menschlichen Aktivitäten haben erhebliche Auswirkungen auf das sozio-ökologische System und gefährden die Fähigkeit dieses Systems, die menschliche Zivilisation und die biologische Vielfalt zu erhalten. Das heutige lineare Industriemodell kann als eine der Hauptursachen für diese Herausforderung angesehen werden, was bedeutet, dass ein Modell erforderlich ist, das weniger Rohstoffe verbraucht und stärker auf die zyklische Natur der Erde abgestimmt ist. In dieser Studie wird die Circular Economy auf ihren potenziellen Beitrag zu einer strategischen nachhaltigen Entwicklung hin untersucht und es wird untersucht, welche Hindernisse und Voraussetzungen Unternehmen bei ihrer Umsetzung zu überwinden haben. Zu den wichtigsten Methoden, die für diese Untersuchung verwendet wurden, gehören die Analyse des Konzepts anhand eines konzeptionellen Rahmens und eines Rahmens für strategische nachhaltige Entwicklung sowie Interviews mit Experten in verwandten Bereichen. Die Untersuchung deckte mehrere Lücken zwischen CE und strategischer nachhaltiger Entwicklung auf. Die Haupthindernisse wurden auf technologischer, rechtlicher und wirtschaftlicher Ebene sowie auf der Verhaltensebene, d.h. bei der Schwierigkeit, Denkweisen zu ändern, festgestellt. Führung, Zusammenarbeit, das CE-Konzept selbst und das Kundenverhalten wurden als wichtige Befähiger identifiziert. Diese Ergebnisse zeigen, dass das Konzept schwer umzusetzen ist und dass ein verfeinerter Ansatz erforderlich ist, der einfacher anzuwenden ist und gleichzeitig näher an die Nachhaltigkeit heranführt. Das Bewusstsein, dass die Unternehmen sich ändern müssen, um die Gesellschaft von ihrem derzeitigen nicht nachhaltigen Weg abzubringen, hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Dennoch sind die meisten Veränderungen, die von den Unternehmen vorgenommen werden, nur schrittweiser Natur. Dennoch hat sich eine kleine, aber wachsende Zahl von Unternehmen der Herausforderung gestellt, die Art und Weise, wie sie Geschäfte machen, wirklich zu verändern und nachhaltiger zu werden, indem sie ihre Prozesse stärker kreislauforientiert gestalten. Ein Konzept, das diese Umstellung inspiriert und voranzutreiben versucht, ist die Circular Economy (CE). Aber kann die Circular Economy die Unternehmen zur Nachhaltigkeit führen? Wenn ja, warum haben bisher nicht mehr Unternehmen dieses Konzept übernommen? Dies sind zwei der Fragen, die diese Untersuchung zu beantworten versucht.1.1DieHerausforderungderNachhaltigkeitSeitderindustriellenRevolutioninderMittedes18.Jahrhunderts haben wirtschaftliches Wachstum und zahllose Innovationen zu einem höheren Lebensstandard und großen Verbesserungen in Bereichen wie Bildung, Medizin und Technologie geführt. Dieser "hohe Lebensstandard in den Industrieländern beruht jedoch auf einem hohen jährlichen Ressourcenverbrauch": Im gleichen Zeitraum wurden durch menschliche Aktivitäten mehr natürliche Ressourcen verbraucht als jemals zuvor in der Geschichte (Stahel 2010, 3; Steffen 2004). Folgen dieser Degradation sind unter anderem der Abbau der Ozonschicht, die Verknappung von sauberem Wasser, der Klimawandel, zerstörte Landschaften oder der Verlust von Biodiversität (Stockholm Resilience Centre 2009). Die negativen Auswirkungen auf das ökologische System sind so groß, dass die Fähigkeit des Systems, die menschliche Zivilisation und die biologische Vielfalt zu erhalten, gefährdet ist (Steffen 2004). Diese Nachhaltigkeitsherausforderung lässt sich am besten mit der Trichtermetapher veranschaulichen. Die Wände des Trichters stehen für die wachsende Nachfrage der Gesellschaft nach natürlichen Ressourcen und Ökosystemleistungen auf der einen Seite und die relativ abnehmende Kapazität der Erde, diese Ressourcen und Leistungen bereitzustellen, auf der anderen Seite. In dem Maße, in dem die Fläche innerhalb des Trichters schrumpft, steigt das Risiko, "gegen die Wände zu stoßen", und der Spielraum wird kleiner. (Robèrt 2000)Abbildung 1.1Die Trichter-Metapher (Robèrt et al. 2010) 21.2 Die Marktwirtschaft als Treiber der HerausforderungNach Ansicht der UNO ist "die Hauptursache für die anhaltende Verschlechterung der globalen Umwelt die nicht nachhaltige Konsum- und Produktionsweise" (UN 1992, 18). Daher ist es unerlässlich, bei der Bewältigung der heutigen Herausforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit auch einen Blick auf die Wirtschaft zu werfen. Die wirtschaftliche Entscheidungsfindung basiert heute hauptsächlich auf neoklassischem Wirtschaftsdenken. Die neoklassische Wirtschaftstheorie glaubt an die Fähigkeit des Marktes, die Ressourcen auf die effizienteste Weise zu verteilen und durch eine rationale Preisgestaltung sowohl die Unternehmen als auch die Verbraucher zufrieden zu stellen. Sie begrüßt geringe staatliche Eingriffe und die Privatisierung von Eigentumsrechten (Nicholson und Snyder2008). Die neoklassische Theorie stützt sich auf mehrere Annahmen: Unter anderem werden externe Effekte - die unbeabsichtigte Folgen wirtschaftlicher Entscheidungen wie z. B. Umweltverschmutzung beschreiben - als vom Markt getrennt betrachtet, und man geht davon aus, dass eine solche Umweltzerstörung durch spätere Ausgleichsmaßnahmen reversibel ist (Taylor und Weerapana 2009). Diese Weltanschauung geht auch davon aus, dass die drei wichtigsten Produktionsfaktoren, nämlich Kapital, Arbeit und natürliche Ressourcen, durch einander ersetzt werden können (z. B. könnte ein Mangel an Ressourcen durch mehr Kapital ersetzt werden) (Robèrt et al. 2010). Da es sich um eine der vorherrschenden wirtschaftlichen Denkschulen handelt, hatte das neoklassische Denken großen Einfluss auf die Merkmale der heutigen Märkte. Ein Markt kann überall dort sein, wo Produzenten und Konsumenten zusammenkommen und Güter austauschen. Obwohl er zentral von der Regierung gelenkt werden kann, die entscheidet, was, wer und wie Produkte hergestellt werden, überwiegt in unserer heutigen Gesellschaft das Modell der Marktwirtschaft. In einer Marktwirtschaft entscheiden die Produzenten selbst, was und wie sie produzieren und wie die Preise festgelegt werden. Im Vergleich zur staatlich gelenkten Wirtschaft hat der Staat in diesem dezentralen Modell keine Kontrollfunktion, sondern versucht, durch Regeln und Vorschriften für gleiche Bedingungen zu sorgen. Daher haben die Produzenten einen erheblichen Einfluss auf den Fluss von Ressourcen und Fertigprodukten. (Taylor und Weerapana 2009) Der ursprüngliche Zweck des Marktes besteht darin, der Gesellschaft zu dienen und die Verbraucher zufrieden zu stellen, indem knappe Ressourcen auf die effizienteste Weise verteilt werden (Taylor und Weerapana 2009). Das derzeitige System betrachtet die Wirtschaft jedoch praktisch als von der Umwelt getrennt und erkennt die Abhängigkeit von ihr nicht an. Ressourcengrenzen werden nicht beachtet, da der steigende Verbrauch zu einer systematischen Übernutzung der Ressourcen führt (Robèrt et al. 2010).1 Abbildung 1.2 Neoklassisches Weltbild der Wirtschaft (Robèrt et al. 2010) 3 Zahlreiche Studien belegen, dass bei einigen Ressourcen, wie z. B. Öl, das globale Fördermaximum bald erreicht sein dürfte (Hubbert 1956; MacKenzie 1998; IEA 2010). In der Zwischenzeit sind neue Fördermethoden erforderlich, um die hohe Förderrate aufrechtzuerhalten - zu höheren Kosten für die Verbraucher und die Umwelt (JP Morgan 2011). Dies wiederum wirkt sich negativ auf den Markt aus, da die Rohstoffpreise weiter steigen und sich immer weniger Verbraucher die Produkte leisten können und möglicherweise vom Markt ausgeschlossen werden.147 % der Rohstoffpreise sind seit Beginn des neuen Jahrhunderts gestiegen, was den Trend des Preisrückgangs im letzten Jahrhundert umkehrt (McKinsey Global Institute 2011, 4f). Allerdings wird erwartet, dass bis 2030 drei Milliarden zusätzliche Verbraucher zur Mittelschicht gehören werden, die mehr konsumieren wollen (McKinsey Global Institute 2011, 5). Gleichzeitig hat der jüngste Anstieg der Lebensmittelpreise in der zweiten Jahreshälfte 2010 44 Millionen Menschen in die Armut getrieben" (McKinsey Global Institute 2011, 7), und der zunehmende Konsum lässt die Abfallmenge in die Höhe schnellen: Ein Bericht der Weltbank schätzt, dass die festen Siedlungsabfälle bis 2025 weltweit um bis zu 70% zunehmen werden (Hoornweg und Perinaz 2012). Diese Abfälle tragen wiederum zu einer zunehmenden Verschmutzung des sozio-ökologischen Systems1 bei, was wiederum die Bereitstellung von Ökosystemleistungen gefährdet und zu immer größeren Engpässen führt (Persson et al. 2010). 1.3 Die Rolle der Unternehmen bei der Herausforderung der Nachhaltigkeit Da die Unternehmen in einer Marktwirtschaft einen erheblichen Einfluss auf die Ressourcenströme haben, hängt die Umwandlung des derzeitigen Marktmodells in ein nachhaltigeres Modell stark von ihrem Beitrag ab. Vor allem multinationale Konzerne (MNK), definiert als "Unternehmen, die Vermögenswerte - Fabriken, Minen, Verkaufsbüros und dergleichen - in zwei oder mehr Ländern kontrollieren", die etwa "zwei Drittel des Welthandels" ausmachen, sind ein wesentlicher Faktor auf den heutigen Märkten (UN 1973, 4; Johnson und Turner 2010, 212). Daher ist es zunächst wichtig zu verstehen, welchen Einfluss sie auf die Herausforderung der Nachhaltigkeit haben und wie die Produkte tatsächlich hergestellt werden. "Das Bewusstsein für sozial-ökologische Probleme ist gewachsen [...] und es wurden zahlreiche Initiativen zur Unterstützung und Erleichterung einer nachhaltigen Entwicklung entwickelt" (Lindahl 2013, 13). In der heutigen Marktwirtschaft herrscht jedoch immer noch das sogenannte lineare Industriemodell vor. In dieser Studie wird der Begriff Industriemodell verwendet, um sich auf die Art und Weise zu beziehen, wie Unternehmen ihr operatives Geschäft strukturieren, einschließlich der Prozesse von der Beschaffung bis zur End-of-Life-Phase des Produkts. Im linearen Modell werden die Ressourcen hauptsächlich aus der Erdkruste gewonnen oder aus Ökosystemleistungen geerntet, zu einem Produkt verarbeitet und am Ende der Lebensdauer des Produkts entsorgt. Dieser Prozess wird oft als "take-make-waste" bezeichnet, da ein großer Teil der Ressourcen nach der Entsorgung des Produkts nicht wiedergewonnen werden kann und immer neue Ressourcen gewonnen werden müssen (Ellen McArthur Foundation 2012). Allerdings verschiebt sich dieses Muster langsam und - nicht zuletzt aufgrund steigender Ressourcenpreise - ist ein Versuch der Unternehmen zu beobachten, Materialien wiederzuverwenden und ihren Ressourcenverbrauch zu senken (Clark 2013). Es fehlt jedoch ein methodischer Systemwechsel (Nasr 2013).1Kombiniertes System von Interaktionen zwischen Biosphäre und Gesellschaft (Robèrt et al.2010). 41.3.1 Das derzeitige Industriemodell im Konflikt mit den Naturgesetzen der ErdeUm besser zu verstehen, warum dieser lineare Ansatz nicht ewig verfolgt werden kann und ein systematischer Übergang stattfinden muss, ist es notwendig, einen Schritt zurückzutreten und zu untersuchen, wie das System Erde funktioniert.Die Erde ist ein geschlossenes System: Im Wesentlichen verbleibt alle Materie im System, während Energie ausgetauscht wird (Robèrt et al.2010). Diese Eigenschaft eines geschlossenen Systems definiert natürliche Grenzen für Ressourcen und Ökosystemleistungen, wie sie Boulding in seiner "Spaceship Earth"-Theorie beschrieben hat (Boulding 1966). Um langfristig überleben zu können, muss die Gesellschaft diese Ressourcengrenzen beachten, da die Erde als Teil eines größeren Systems in Zyklen funktioniert. So wie sich z. B. Kohlendioxid oder Wasser in Zyklen bewegen, ist auch das Leben auf der Erde durch Zyklen gekennzeichnet. Pflanzen wandeln Materie in Biomasse um, die als Nahrung für Tiere dient: Die Abfälle der Tiere dienen wiederum als Nährstoffe für den Boden, so dass die Pflanzen wachsen und mehr Biomasse produzieren können (Robèrt etal.2010). Der Motor dieser natürlichen Kreisläufe, der die Selbsterhaltung des Systems ermöglicht, ist die Photosynthese, ein chemischer Prozess in den Pflanzen, der von der Sonne angetrieben wird (siehe z. B. Robèrt etal. 2010). Für das System Erde gelten mehrere Naturgesetze: Nach dem Erhaltungssatz für Energie und Materie (erster Hauptsatz der Thermodynamik) kann Energie (und Materie) weder erzeugt noch zerstört werden, und der zweite Hauptsatz der Thermodynamik besagt, dass Energie und Materie auf natürliche Weise von einem Zustand der Konzentration zur Entropie diffundieren. Zweitens: Da sich Materie natürlich ausbreitet, gilt dies auch für Schadstoffe: Auch wenn die Verschmutzung nur ein lokales Problem sein könnte, besteht immer die Möglichkeit, dass sie sich ausbreitet, wie Treibhausgasemissionen oder Fälle von radioaktiver Verschmutzung zeigen (Akimoto 2003; IAEA n.d.).Darüber hinaus trägt die Gesellschaft zur Schaffung von Entropie bei, indem sie die "Konzentration, Struktur und Reinheit" von Material verbraucht und verstreute Rückstände zurücklässt (Robèrt etal.2010, 35). Ein Beispiel dafür wäre die Farbe an Gebäuden, die mit der Zeit verwittert und sich in der Natur ausbreitet. Nachhaltigkeit hingegen "beruht auf einer systematischen Wiederherstellung von Konzentration, Struktur und Reinheit, die den Verbrauch solcher Werte in verstreute Abfälle zumindest ausgleicht" (Robèrt et al. 2010, 35). Das ist es, was ein nachhaltiges Industriemodell anstreben sollte.1.3.2Vision eines nachhaltigen Industriemodells Ein nachhaltiges Industriemodell ist eines, das die zyklische Natur der Erde respektiert. In erster Linie werden die Produkte so hergestellt, dass die natürlichen Grenzen der Ressourcen und Ökosystemleistungen nicht überschritten werden. Es steht im Gleichgewicht mit dem biogeochemischen Kreislauf der Erde und nutzt die erneuerbaren Energiequellen der Erde, z. B. die Sonnenenergie. Unter Berücksichtigung der Gesetze der Thermodynamik werden schädliche Stoffe, die nicht sicher abgebaut werden können, aus dem Herstellungsprozess entfernt oder daran gehindert, in das Ökosystem zu gelangen. Außerdem wird die Reinheit der Ressourcen in dem Maße wiederhergestellt, wie Ressourcen verbraucht werden. Aus sozialer Sicht trägt ein nachhaltiges Industriemodell nicht zu unfairen oder ungesunden Arbeitsbedingungen in der gesamten Wertschöpfungskette bei. Ein solches Industriemodell könnte wiederum die Marktwirtschaft dabei unterstützen, ihren Beitrag zur Nachhaltigkeitsproblematik zu verringern. 51.4Die Notwendigkeit eines neuen Industriemodells Der Bedarf der Gesellschaft an einem vitalen Industriemodell, das radikal weniger Rohstoffe und Energie verbraucht und das Wirtschaftswachstum von der Erosion des sozio-ökologischen Systems abkoppelt, wird immer deutlicher und dringlicher (Hawken 2000). Die heutigen Herausforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit sind nicht unbemerkt geblieben, und es wird versucht, nachhaltigere Alternativen zu finden.1.4.1 Das Konzept der Circular Economy Ein Konzept, das immer mehr Aufmerksamkeit erregt, ist die Circular Economy (Circular Economy, CE). Es könnte dazu beitragen, das Problem der Nachhaltigkeit zu lösen und Organisationen auf dem Weg zur Nachhaltigkeit zu unterstützen, indem die Ressourcenentnahme und die Abfallströme reduziert werden, was zu einer geringeren Umweltbelastung führt (Stahel 2010). Wie der Begriff bereits andeutet, zielt die CE auf eine Umgestaltung linearer Prozesse und Ströme von "Materialien, Energie, Arbeit und Informationen" hin zu zirkulären Prozessen ab, wodurch natürliches und soziales Kapital wieder aufgebaut wird (EMB2013, 26). Der Begriff der Circular Economy und der Gedanke, die Natur als Lehrmeister für industrielle Modelle zu nutzen, sind nicht neu; das Konzept hat sich seit den 1960er Jahren weiterentwickelt. Im Jahr 1966 stellte der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Kenneth E. Boulding die Raumschiff-Theorie vor - eine Darstellung einer frühen Circular Economy. Boulding war sich der Ressourcenherausforderung bewusst, mit der die Gesellschaft in Zukunft konfrontiert sein könnte: "Die Erde ist ein einziges Raumschiff geworden, ohne unbegrenzte Reserven von irgendetwas [...], deshalb muss der Mensch seinen Platz in einem zyklischen ökologischen System finden" (Boulding 1966, 7). Die Publikation Grenzen des Wachstums aus dem Jahr 1972 kann als ein weiterer wichtiger Schritt zur Entwicklung des CE-Konzepts gesehen werden: Sie thematisiert ebenfalls das Problem der Ressourcenbegrenzung und stellt fest, dass Produkte so produziert werden müssen, dass eine effiziente Wiederverwendung und Wiederverwertung möglich ist (Meadows et al. 1972; Li 2010). In den späten 1980er Jahren griffen Walter Stahel sowie Michael Braungart und William McDonough die Idee einer in Kreisläufen funktionierenden Wirtschaft wieder auf und diskutierten deren Auswirkungen auf die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, die Einsparung von Ressourcen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Abfallvermeidung. Alle drei behaupten, dass es in einem idealen Kreislaufsystem keine Abfälle gäbe, da sie als Ausgangsmaterial für andere Prozesse dienen würden (McDonough und Braungart 2002; Stahel und Reday-Mulvey 1981). In den 1990er Jahren prägte David Pearce, ein bekannter Vertreter der Umweltökonomie, als einer der ersten den Begriff "Circular Economy" (Andersen2006). Konzepte wie Cradle-to-Cradle oder Biomimicry, die ebenfalls von der Natur inspiriert wurden, hatten ebenfalls einen Einfluss auf die Entwicklung des Konzepts der Circular Economy (Sherwin 2013). Diese verschiedenen Einflüsse, die im Laufe der letzten vier Jahrzehnte in das Konzept eingeflossen sind, können als Grund dafür angesehen werden, dass es derzeit keine gemeinsame Definition und keine klare Erklärung des Konzepts gibt. Obwohl die Formulierung der Grundsätze aufgrund dieser vielfältigen Einflüsse unterschiedlich ausfallen kann, zielt die Circular Economy im Allgemeinen darauf ab, Materialkreisläufe zu schließen und sie in zwei getrennten Kreisläufen zu behandeln: Biologische Nährstoffe, die gefahrlos wieder in die Biosphäre gelangen können, da sie ungiftig und biologisch abbaubar sind, und technische Nährstoffe, die immer wieder verwendet werden können (McDonough und Braungart2002). Die Entstehung von Abfällen, d.h. von Reststoffen, "für die der Erzeuger im Hinblick auf seine eigenen Produktions-, Umwandlungs- oder Verbrauchszwecke keine Verwendung mehr hat und die er entsorgen will", wird durch die Neugestaltung von Produkten und Prozessen vermieden (UNSD 1997). Der (Re-)Herstellungsprozess stützt sich dabei auf erneuerbare Energie, insbesondere durch die Nutzung von Sonnenenergie (EMB2013). 61.4.2 Auf dem Weg zur Circular Economy - eine Win-Win-Win-Situation Die Einführung eines Circular Economysmodells, das auf die Erhaltung unseres Planeten abzielt, könnte eine attraktive Win-Win-Win-Situation für die Gesellschaft, die Umwelt und das Unternehmen selbst darstellen. Langfristig könnte dieser Wandel einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil bieten, da die Circular Economy den Anspruch erhebt, mehr Wert aus den Ressourcen zu schöpfen, die Unternehmen bei der Erfüllung der sich wandelnden Marktanforderungen zu unterstützen, die Umweltkosten zu senken, den Verbraucherkomfort zu erhöhen und die Versorgung sicherzustellen (Preston 2012). Trotzdem könnten Unternehmen, die eine CE einführen, auch von Einsparungen bei den Material- und Energiekosten, einer geringeren Ressourcenabhängigkeit (z. B. durch die Wiederverwendung und Wiedervermarktung von Waren), einer Verbesserung der Kundeninteraktion und einer Verringerung des Garantieaufwands durch die Umstellung auf langlebigere Produkte profitieren (Preston 2012).Laut Willard ist "der Business Case für die Erhaltung des Planeten stärker als der Business Case für seine Zerstörung." (Willard 2012, 18)Zusätzlich zu den wirtschaftlichen Vorteilen für das einzelne Unternehmen könnte CE einen bedeutenden Beitrag zur Herausforderung der Nachhaltigkeit und des ökologischen Systems im Allgemeinen leisten. Die Behandlung von Ressourcen in geschlossenen Kreisläufen kann den Bedarf an Ressourcenentnahme deutlich senken und damit das Problem der Ressourcenknappheit mildern. Die Vermeidung von Abfällen und die Reduzierung giftiger Stoffe in der Wertschöpfungskette könnten dazu beitragen, die heutige massive Umweltverschmutzung zu verhindern und darüber hinaus zu einer gesünderen Gesellschaft beizutragen. (EMB2012; Stahel 2010) Im Hinblick auf die heutigen Herausforderungen werden sich diejenigen Unternehmen auszeichnen, die ihr Wissen am besten bündeln und mit anderen Sektoren zusammenarbeiten, um die Ressourcen so effizient wie möglich zu nutzen und dadurch "zur Wiederherstellung der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Gesundheit des Planeten beizutragen." (Willard 2012, 18)1.4.3Circular Economy Today Da die Circular Economy noch ein eher theoretisches Konstrukt ist, konzentriert sich die Forschung meist auf den Business Case und die Umsetzung in Unternehmen (EMB2012). Derzeit wird "der Begriff 'Circular Economy' von Regierungen und Unternehmen uneinheitlich verwendet, und das Bewusstsein für das Konzept ist relativ gering." (Preston 2012, 3) Dies erschwert den Unternehmen die Umsetzung des Konzepts und erklärt seine derzeit geringe Verbreitung. Die Verbreitung des Konzepts nimmt jedoch an Fahrt auf, und auch die Politiker werden sich immer mehr der Grenzen unseres derzeitigen Industriemodells bewusst (Hermine 2013). In dem Bewusstsein, dass die "Take-Make-Waste"-Praxis nicht mehr lange fortgesetzt werden kann, werden verschiedene Gesetze und Verordnungen umgesetzt, die einen Übergang zu einer Circular Economy ermöglichen sollen. Die Europäische Kommission ist eine wichtige treibende Kraft für eine neue Politik in Bezug auf die Ressourcennutzung: Das Konzept der Circular Economy ist ein wesentlicher Bestandteil der Ressourceneffizienz-Initiative der EU 2020-Strategie (Das Parlament 2012). Im Jahr 2008 legte die Europäische Kommission beispielsweise den Aktionsplan für Nachhaltigkeit in Produktion und Verbrauch und für eine nachhaltige Industriepolitik (SCP/SIP) vor, der zu einer verbesserten Umweltleistung von Produkten führen und die Nachfrage nach nachhaltigeren Produktionstechnologien steigern soll (Europäische Kommission 2012). Darüber hinaus wurde 2010 ein "Cradle-to-Cradle-Netzwerk" eingerichtet, das eine Plattform für die Zusammenarbeit von EU-Regionen zum Austausch von Wissen und Erfahrungen "in den Bereichen Innovation, wissensbasierte Wirtschaft, Umwelt und Risikoprävention" bietet (C2C Network n.d.). 7 Neben der Europäischen Union gibt es Beispiele für andere Länder, in denen Gesetze und Vorschriften zur Förderung des Übergangs zu einer Circular Economy bereits umgesetzt wurden; China und Japan sind zwei führende Beispiele (Heck 2006).1.5 Notwendigkeit einer strategischen nachhaltigen Entwicklung Obwohl die Circular Economy das Ziel verfolgt, das derzeitige Industriemodell zum Besseren zu verändern und auf Nachhaltigkeit hinzuarbeiten, reicht die Circular Economy allein nicht aus, um die Gesellschaft nachhaltig zu gestalten. Das Ausmaß der heutigen Herausforderungen erfordert einen strategischen Ansatz für die Nachhaltigkeit, der alle - beabsichtigten und unbeabsichtigten - Folgen einbezieht. Die zunehmende Zahl der verfügbaren Nachhaltigkeitsmethoden und -instrumente konzentriert sich oft nur auf einzelne Aspekte der Nachhaltigkeit, deren Rolle und Beitrag schwer zu verstehen ist, und erschwert so die Planung der Nachhaltigkeit für Organisationen. Da die Ökosphäre ein komplexes System ist, müssen das gesamte System und seine Wechselbeziehungen untersucht werden, anstatt nur einzelne Teile des Systems zu studieren (Capra 1985). Das Fehlen eines solchen Systemdenkens kann zu Schwierigkeiten im Umgang mit Kompromissen oder ungünstigen Auswirkungen in anderen Teilen des Systems führen, z. B. wenn der Schwerpunkt eher auf der Behandlung konkreter Symptome (z. B. Klimawandel, Verlust der biologischen Vielfalt) liegt als auf der Berücksichtigung des Gesamtbildes (Robèrt 2000). Ein Beispiel für einen solchen Zielkonflikt: Selbst wenn es gelingt, den Verbrauch fossiler Brennstoffe für die Energieerzeugung zu verringern, könnte dies die ungünstige Folge haben, dass die Abhängigkeit von knappen Metallen, die für die Bereitstellung erneuerbarer Energielösungen verwendet werden, zunimmt. Als Antwort auf diese Herausforderungen ist eine "offene und nicht präskriptive" Definition von Nachhaltigkeit erforderlich - eine prinzipienbasierte Definition, die uns dabei unterstützt, mit dieser Komplexität umzugehen und die Gesamtheit nicht nachhaltiger Praktiken (wie in den vier Kategorien in Abbildung 1.3 dargestellt) zu berücksichtigen (Byggeth 2001, 702). Abbildung 1.3Kategorien nicht nachhaltiger Praktiken, die die Herausforderung der Nachhaltigkeit darstellen (Robèrt et al. 2010) 8 Der "Rahmen für eine strategische nachhaltige Entwicklung" (Framework for Strategic Sustainable Development, FSSD), ein vereinheitlichender Ansatz für die Planung in Richtung Nachhaltigkeit, verwendet eine solche prinzipienbasierte Definition von Nachhaltigkeit, die "wissenschaftlich fundiert, notwendig und ausreichend für Nachhaltigkeit, allgemein, aber konkret genug und eindeutig" ist (Ny 2006, 5). Aufgrund seiner Eigenschaft als übergreifender Rahmen für Nachhaltigkeit wird der FSSD verwendet, um die Eignung der Circular Economy für eine strategische nachhaltige Entwicklung zu bewerten. 1.6 Überblick über die Forschung 1.6.1Ziel Das erste Ziel dieser Forschung ist die Analyse des Konzepts der Circular Economy, um den beabsichtigten Zweck des Instruments und insbesondere seinen Beitrag zur strategischen nachhaltigen Entwicklung zu verstehen und kurz zu beschreiben. Obwohl das Konzept möglicherweise das Potenzial hat, die Marktwirtschaft zu reformieren, haben es bisher nur wenige Unternehmen übernommen. Daher ist das zweite Ziel dieser Studie die Erforschung von Faktoren, die die Umsetzung von CE entweder behindern oder fördern, als möglicher Grund für seine geringe Verbreitung. Die Motivation hinter dieser Untersuchung ist es zu verstehen, wie das Konzept zur Förderung einer strategischen nachhaltigen Entwicklung eingesetzt werden kann.1.6.2Forschungsfragen Im Anschluss an das skizzierte Ziel stützt sich diese Arbeit auf die folgenden Forschungsfragen: 1. Inwieweit ist die Circular Economy mit einem strategischen Ansatz für nachhaltige Entwicklung vereinbar?2. Welches sind die Haupthindernisse und -voraussetzungen, denen multinationale Unternehmen bei der Umsetzung der Circular Economy gegenüberstehen?1.6.3Untersuchungsumfang und -abgrenzung Anstatt eine globale Perspektive einzunehmen, konzentriert sich die Studie auf multinationale Unternehmen (MNU), die in Europa tätig sind und daher europäischen Gesetzen und Vorschriften unterliegen, da dies eine gemeinsame Grundlage für die Untersuchung bietet. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) werden in dieser Studie nicht berücksichtigt, obwohl es eine Reihe von Beispielen für KMU gibt, die einen zirkulären Ansatz gewählt haben. Die zugrundeliegende Überlegung ist, dass multinationale Unternehmen vergleichsweise größere Auswirkungen auf die Biosphäre haben, da sie große Mengen an Ressourcen verbrauchen und Abfälle und Verschmutzung verursachen. Im Hinblick auf eine nachhaltigere Zukunft und einen neuen wirtschaftlichen Ansatz sind die Forscher der Ansicht, dass multinationale Unternehmen ein erhebliches Potenzial haben, um den Übergang von der derzeitigen "Take-Make-Waste"-Wirtschaft zu einer Circular Economy zu unterstützen und letztendlich zu vollziehen. Indem sie ihren Einfluss positiv nutzen und eine Vorbildfunktion für ihre Wertschöpfungskette und den gesamten Markt einnehmen, könnten diese Unternehmen eine Hebelwirkung entfalten. 9 Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Handel zwischen Unternehmen und Verbrauchern, da diese Unternehmen als zugänglicher und attraktiver für ein breiteres Publikum gelten. Außerdem zielt diese Studie auf Unternehmen ab, die entweder bereits CE eingeführt haben oder dabei sind, dies zu tun. Hier liegt der Schwerpunkt auf den Hindernissen und Förderern des Umsetzungsprozesses und nicht auf den Aspekten, die die Unternehmen daran hindern oder ihnen helfen, ihr Kreislaufmodell noch weiter zu verbessern und sich in Richtung 100 %ige Circular Economy zu bewegen. Aus diesem Grund richtet sich diese Arbeit in erster Linie an Entscheidungsträger in multinationalen Unternehmen aller Branchen sowie an Organisationen und Praktiker im Bereich der Nachhaltigkeit, die sich für das Thema Circular Economy interessieren. 102Methodik Im Folgenden werden das Forschungsdesign und die zur Beantwortung der beiden Forschungsfragen verwendeten Methoden erläutert.2.1Forschungsdesign Für die Strukturierung der Forschung wurde das qualitative Forschungsdesign von Maxwell gewählt. Mit seinen fünf miteinander verbundenen Ebenen - Ziele, konzeptioneller Rahmen, Forschungsfragen, Methoden und Gültigkeit (siehe Abbildung 2.1) - ermöglicht es einen systematischen, interaktiven Forschungsansatz (Maxwell 2005). Dieser Ansatz ermöglichte eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Forschung, bei der ständig neue Erkenntnisse in den Forschungsprozess einflossen und der iterative Prozess der Datenerhebung und -analyse optimal unterstützt wurde. Abbildung 2.1Maxwells Modell des Forschungsdesigns (Maxwell 2005) 112.2Forschungsfrage 1Inwieweit ist die Circular Economy mit einem strategischen Ansatz für nachhaltige Entwicklung vereinbar?Die Datenerhebung für diese Forschungsfrage wurde mit Hilfe von Sekundärforschung, Fallstudien und Interviews durchgeführt. Zu den Methoden, die für die Analyse der Daten verwendet wurden, gehören das Five Level Framework (5LF) und das Framework for Strategic Sustainable Development (FSSD). 2.2.1 Datenerhebung Der erste Abschnitt der Untersuchung diente als Grundlage für die gesamte Studie, und die gesammelten Informationen beeinflussten die allgemeinen Ziele und schließlich die beiden Forschungsfragen. Es wurden veröffentlichte Informationen wie Bücher, Zeitschriften, Berichte, Artikel sowie Online-Ressourcen wie Websites gesichtet. Insbesondere im Hinblick auf die erste Forschungsfrage wurde die veröffentlichte Forschung zum Thema Nachhaltigkeit und strategische nachhaltige Entwicklung umfassend genutzt. Außerdem wurden Fallstudien gesichtet, um erste Anhaltspunkte für das Potenzial von CE auf dem Weg zur Nachhaltigkeit zu erhalten. Berater, Peers und Interviewpartner waren ebenfalls eine hilfreiche Quelle für Hinweise auf weiterführende Literatur. Zu den wichtigsten Forschungsthemen gehörten: Circular Economy", "Circular Economy", "Lineares Modell", "Industrielle Ökonomie", "Cradle to Cradle" und "Performance Economy", wobei neue Literatur regelmäßig in den Teamsitzungen diskutiert und bewertet wurde. Um Forschungsüberschneidungen zu vermeiden, wurde eine gemeinsame Online-Datenbank eingerichtet, in die neue Literaturergebnisse eingestellt wurden. Auch die Ergebnisse der Interviews, wie in Abschnitt 2.3.3 beschrieben, trugen zur Unterstützung der 5LF- und FSSD-Analyse bei. Zu diesem Zweck wurden insbesondere Informationen über Lücken des Konzepts und mögliche Verbesserungen oder Empfehlungen aus den Interviews extrahiert.2.2.2Analyse von Lücken und Beiträgen zu SSDUm zu beurteilen, ob CE zur Nachhaltigkeit führt, wurden der Fünf-Ebenen-Rahmen für die Planung in komplexen Systemen und der Rahmen für strategische nachhaltige Entwicklung verwendet.Abbildung 2.2Analyse von Lücken und Beiträgen anhand von 5LF und FSSD 12Der Fünf-Ebenen-RahmenDer Fünf-Ebenen-Rahmen ist ein konzeptioneller Rahmen, der zur Unterstützung der Planung in komplexen Systemen entwickelt wurde und als neutrales mentales Modell für die Planung und Analyse dient, so dass er zur Strukturierung jeglicher Art von Informationen verwendet werden kann. Die relevanten Informationen, die das CE-Konzept liefert - d.h. seine Annahmen, Grundsätze und Leitlinien - werden in die fünf Ebenen des Rahmens eingeteilt: Systeme, Erfolg, strategische Leitlinien, Maßnahmen und Instrumente. (Robèrt 2000) Die Verwendung des 5LF zur Analyse des CE-Konzepts "erleichtert eine klare Analyse, indem sowohl die Unterscheidungen als auch die Zusammenhänge zwischen den Ebenen der strategischen Planung (System, Erfolg usw.) verdeutlicht werden", und hilft darüber hinaus, eine gemeinsame Definition zu schaffen (Robèrt et al. 2010, 29). Um die Informationen nach den fünf Ebenen zu kategorisieren, wurde eine Reihe von Fragen für jede Ebene verwendet (siehe Anhang A) (Robèrt 2000). Um die Eignung des CE-Konzepts für eine strategisch nachhaltige Entwicklung zu analysieren, reicht das 5LF jedoch nicht aus. Stattdessen wurde der FSSD verwendet, um etwaige Lücken und Beiträge der Circular Economy im Hinblick auf die Nachhaltigkeit zu identifizieren. Der FSSD dient als eine Variante des generischen 5LF und nimmt eine Nachhaltigkeitsperspektive ein - mit Fokus auf das globale sozio-ökologische System - mit einer klaren prinzipienbasierten Definition von Nachhaltigkeit. Diese Prinzipien basieren auf einem wissenschaftlichen Konsens, der in einem Lerndialog zwischen politischen Entscheidungsträgern und Wissenschaftlern aus Politik und Wirtschaft erreicht wurde. Es ist darauf ausgelegt, Informationen strategisch zu strukturieren und die Entscheidungsfindung zu unterstützen, ohne dabei den Blick für das große Ganze zu verlieren. Auf diese Weise können Organisationen ihre Effektivität verbessern und Maßnahmen strategisch planen, die zum Prozess der nachhaltigen Entwicklung beitragen. (Broman et al. 2000) Die Struktur des FSSD besteht aus fünf Ebenen: 1. die SystemebeneDas FSSD konzentriert sich auf das sozio-ökologische System als das zu erhaltende System; auf dieser Ebene werden die grundlegenden Merkmale der Gesellschaft innerhalb der Biosphäre und die Wechselbeziehungen zwischen den ökologischen und sozialen Systemen untersucht. Dazu gehören beispielsweise die bio-geochemischen Kreisläufe, die Gesetze der Thermodynamik und die Abhängigkeit der Gesellschaft von den natürlichen Ressourcenströmen und den von der Erde bereitgestellten Ökodienstleistungen (wie in Kapitel 1.3.1 dargelegt).2. Die ErfolgsebeneAuf der Erfolgsebene wird eine prinzipienbasierte Definition von Nachhaltigkeit eingeführt. "Die Nachhaltigkeitsprinzipien sind wissenschaftlich untermauerte Grundbedingungen für den erfolgreichen Fortbestand des sozio-ökologischen Systems." (Robèrt et al. 2010,41). Diese Prinzipien (siehe Abbildung 2.3) wurden auf der Grundlage der Kategorien gesellschaftlich nicht nachhaltiger Aktivitäten (siehe Abbildung 1.3) erstellt. 13Abbildung 2.3Nachhaltigkeitsprinzipien (Holmberg und Robèrt 2000)Nachhaltigkeitsprinzip 1Das erste Nachhaltigkeitsprinzip (SP) befasst sich mit dem Einfluss der Gesellschaft auf das sozio-ökologische System durch die systematische Anreicherung von Stoffen in der Biosphäre, die der Lithosphäre entnommen wurden. Das Gleichgewicht der Ströme zwischen der Biosphäre und der Lithosphäre wird nicht nur durch Entnahmeaktivitäten beeinflusst, die größer sind als die natürlichen Ströme, sondern auch durch die Bewirtschaftung und Lagerung dieser Stoffe. Aufgrund der Komplexität des Ökosystems ist es schwierig, akzeptable Konzentrationsniveaus für verschiedene Stoffe zu definieren: Deshalb muss die Gesellschaft zumindest die systematische Zunahme solcher Stoffe vermeiden. (Ny et al. 2006)Nachhaltigkeitsprinzip2Das zweite SP bezieht sich auf Stoffe, die von der Gesellschaft erzeugt werden. Diese Stoffe müssen so produziert werden, dass sie in die natürlichen Kreisläufe integriert werden können, indem sie entweder in geschlossenen Kreisläufen geführt oder so gestaltet werden, dass sie sicher in der Atmosphäre deponiert werden können. In jedem Fall sollte ihre Konzentration in der Biosphäre nicht systematisch ansteigen. (Ny et al. 2006)Nachhaltigkeitsprinzip 3Die Auswirkungen der Gesellschaft auf die Biosphäre durch physische Maßnahmen wie z.B. "Überernte, Misswirtschaft oder Vertreibung" werden durch das dritte SP abgedeckt (Broman et al. 2000, 12). Solche Maßnahmen haben negative Auswirkungen auf die Ressourcen oder die Bereitstellung von Ökosystemleistungen, wie z.B. die Qualität des Bodens, die Verfügbarkeit von Süßwasser oder auch die biologische Vielfalt (Broman et al. 2000). Nachhaltigkeitsprinzip 4Das vierte SP befasst sich mit der sozialen Dimension der Nachhaltigkeit. Er verlangt die Beseitigung von Bedingungen, die die Menschen an der Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse hindern, wobei die ersten drei ökologischen Nachhaltigkeitsprinzipien zu beachten sind. (Missimer et al. 2010)3. Die strategischen Leitlinien Auf der strategischen Ebene wird das Konzept des Backcasting eingeführt: Backcasting ist eine geeignete "Methodik für die Planung unter unsicheren Umständen" (Holmberg und Robèrt 2000, 3). In diesem Zusammenhang bezieht sich Backcasting darauf, "die Planung mit einer Beschreibung der Anforderungen zu beginnen, die erfüllt werden müssen, wenn die Gesellschaft erfolgreich nachhaltig geworden ist", und dann zu definieren, was heute getan werden muss, um diese Vision des zukünftigen Erfolgs zu erreichen (Holmberg und Robèrt 2000, 3-4). Da es viele potenzielle Maßnahmen geben kann, um die Lücke zwischen der 14 aktuellen, nicht nachhaltigen Realität und der prinzipienbasierten Vision der Nachhaltigkeit zu schließen, können drei Fragen zur Priorisierung angewendet werden, um die Auswahl der Maßnahmen zu unterstützen, die eine Organisation strategisch in Richtung Nachhaltigkeit bewegen. Sie dienen als strategische Leitlinien für die Ausrichtung von Maßnahmen an den vier Nachhaltigkeitsprinzipien und können durch die individuellen Priorisierungskriterien einer Organisation erweitert und angepasst werden. (Holmberg und Robèrt 2000) Die drei Fragen zur Prioritätensetzung lauten wie folgt:a. Führt diese Maßnahme in die richtige Richtung in Bezug auf die Nachhaltigkeit? Diese Frage hilft dabei, mögliche Konsequenzen der vorgeschlagenen Maßnahmen zu identifizieren. (Holmberg und Robèrt 2000)b. Dient die Maßnahme als flexible Plattform für zukünftige Aktionen? Um Sackgassen zu vermeiden, müssen die umzusetzenden Maßnahmen es ermöglichen, zukünftige Schritte zum Erfolg in Bezug auf die Nachhaltigkeit zu unternehmen. (Holmberg und Robèrt 2000)c. Erzielt die Maßnahme eine ausreichende Kapitalrendite?Diese Frage konzentriert sich auf die effektive Verwaltung von Investitionen. Maßnahmen, die eine frühe Kapitalrendite ermöglichen, sollten zuerst ergriffen werden (so genannte "low hanging fruits"), da sie zusätzliche Ressourcen für spätere, höhere Investitionen in die Nachhaltigkeit generieren können. (Holmberg und Robèrt 2000)4. Die MaßnahmenebeneDie vierte Ebene des BNE umfasst potenzielle Maßnahmen, die das sozio-ökologische System näher an die Nachhaltigkeit heranführen und anhand der drei Priorisierungsfragen der strategischen Ebene ausgewählt wurden. 5. Die WerkzeugebeneAuf dieser Ebene werden Werkzeuge und Konzepte definiert, die die Bemühungen um globale Nachhaltigkeit unterstützen. Die Instrumente lassen sich in der Regel in strategische Instrumente zur Unterstützung der Planung, Messinstrumente zur Bewertung des Fortschritts und Instrumente zum Aufbau von Kapazitäten wie Bildungsmaßnahmen unterteilen. Da der FSSD ein Rahmenwerk ist, das keine spezifischen Richtlinien oder Schritte vorgibt, ist er auf zusätzliche Instrumente zur Unterstützung der Nachhaltigkeitsarbeit einer Organisation angewiesen. (Robèrt 2000) 152.3Forschungsfrage 2Was sind die Haupthindernisse und -voraussetzungen, mit denen multinationale Unternehmen bei der Umsetzung der Circular Economy konfrontiert sind?Zur Datenerhebung für die zweite Forschungsfrage wurden u. a. Fallstudien und Sekundärforschung herangezogen, aber in erster Linie wurden die Informationen durch explorative Interviews gesammelt. Die Daten wurden analysiert, indem die Informationen auf der Grundlage gemeinsamer Themen geclustert und die wichtigsten Hindernisse und Befähiger nach ihrer Häufigkeit ausgewählt wurden.2.3.1Datenerhebung Um eine Grundlage für die zweite Forschungsfrage zu schaffen, wurde eine gezielte Sekundärforschung durchgeführt. Um einen ersten Überblick über mögliche Barrieren und Befähiger einer zirkulären Transformation zu erhalten, wurden Fallstudien gesichtet. Dabei lag der Fokus auf Organisationen, die bereits ein stärker zirkuläres Modell eingeführt haben. Sowohl die Sekundärforschung als auch die Fallstudien unterstützten zusätzlich die Zusammenstellung einer Liste möglicher Interviewpartner.2.3.2Interview SamplingDer erste Schritt im Prozess der Identifizierung der wichtigsten Barrieren und Befähiger eines CE-Ansatzes bestand darin, zu bestimmen, wer zur Forschung beitragen könnte. Um sowohl praktisches als auch eher theoretisches Wissen in die Untersuchung einzubeziehen und die Validität der Daten zu erhöhen, wurden sowohl Praktiker aus Unternehmen als auch akademische Experten befragt. Potenzielle Unternehmen wurden anhand der folgenden Kriterien ausgewählt:Das Unternehmen ist ein ProduktionsunternehmenEs ist ein multinationaler Konzern mit mehr als 250 MitarbeiternEs konzentriert sich auf Business-to-Customer (B2C)-TransaktionenEs ist dabei, einen CE-Ansatz zu implementieren Die Liste der potenziellen Interviewunternehmen wurde mittels Desk Research und Fallstudien zusammengestellt, da diese Unternehmen ihr Engagement für den Ansatz der Circular Economy öffentlich kommunizieren (z. B. durch ihre Mitgliedschaft in der CE100-Gruppe, einer Initiative der Ellen MacArthur Foundation). Akademische Experten wurden aufgrund ihrer Beiträge zu Büchern, Zeitschriften, Berichten und Artikeln im Zusammenhang mit dem Forschungsthema ausgewählt. Auf der Grundlage dieser Kriterien wurde eine Liste mit 38 Unternehmen und 29 akademischen Experten erstellt. Diese potenziellen Kontakte wurden eingehender geprüft, um herauszufinden, ob sie möglicherweise zur Beantwortung der zweiten Forschungsfrage beitragen könnten (z. B. durch Recherchen zu ihrem Hintergrund und ihrer Erfahrung). Schließlich wurden 25 der 38 potenziellen Unternehmen und alle 29 akademischen Experten als relevant für die Untersuchung eingestuft. Falls kein direkter Kontakt zu den potenziellen Interviewpartnern verfügbar war, wurde versucht, Verbindungen über das Netzwerk der derzeitigen Studenten des Masterprogramms in Strategic Leadership towards Sustainability (MSLS), der MSLS-Alumni und der MSLS-Mitarbeiter herzustellen. Neben 16 wurden neben den Kontaktdaten der angefragten Unternehmen und akademischen Experten auch weitere Vorschläge für mögliche Interviewpartner gesammelt. 67 potenzielle Interviewpartner wurden per E-Mail kontaktiert, um ein Interview anzufordern. Die erste Kontakt-E-Mail enthielt ein einseitiges Dokument, in dem das MSLS-Programm, die Forschungsziele, der geplante Zeitpunkt der Interviewphase (zwischen dem 19. März und dem 19. April 2013) und die Interviewdauer (30 bis 60 Minuten, je nach Verfügbarkeit des Interviewpartners) beschrieben wurden.2.3.3Interviews Die Gestaltung der Interviewfragen basierte auf dem gewünschten Ergebnis, das durch die Frage "Was muss herausgefunden werden, um die Forschungsfragen beantworten zu können?" definiert wurde. Um das Interview strategisch zu strukturieren, wurde der 5LF zur Formulierung der Interviewfragen verwendet (siehe Anhang C). Im Hinblick auf die unterschiedliche Dauer der Interviews wurde eine zusätzliche Liste mit weniger Fragen (mit den relevantesten) erstellt. Außerdem wurde die Formulierung der Fragen angepasst, je nachdem, ob ein Unternehmenspraktiker oder ein akademischer Experte befragt wurde (siehe Anhang C). Da das Wissen über die Circular Economy im Laufe der Untersuchung vertieft wurde, entwickelte sich gleichzeitig die Liste der Fragen weiter. Die ersten Interviews dienten daher dazu, einen allgemeineren Überblick zu gewinnen, während bei den letzten Interviews zusätzliche Fragen gestellt wurden, um tiefer gehende Informationen zu erhalten (siehe Anhang C). Um die Wirksamkeit des Fragenkatalogs zu gewährleisten, wurde er vor den Interviews sowohl mit dem Haupt- und Nebenberater als auch mit einem externen Berater aus einem früheren MSLS-Kurs getestet. 27 Interviews wurden sowohl mit multinationalen Unternehmen (9) als auch mit akademischen Experten (18) geführt (siehe Anhang D). Vor jedem Interview wurde ein kurzer Überblick über die Organisation oder das Unternehmen und den Hintergrund der befragten Person zusammengestellt. Dies geschah durch Online-Recherche, z. B. durch Einsichtnahme in die Websites der Organisationen, und ermöglichte es, tiefer gehende Fragen zu stellen, die auf dem Hintergrund der befragten Person basierten. Darüber hinaus wurde die Liste der Fragen mindestens drei Arbeitstage im Voraus an die befragte Person geschickt, damit diese sich vorbereiten konnte. Ein zweiter Interviewer unterstützte den ersten Interviewer, indem er zusätzliche Folge- oder Klärungsfragen stellte. Der dritte Autor wurde zum Protokollführer ernannt und war für die Transkription des Interviews verantwortlich. Alle Interviews - mit Ausnahme eines persönlichen Interviews (MRT) - wurden online über Skype oder Webkonferenzen (WebEx) geführt. Mit Erlaubnis der Befragten wurden alle Interviews mit dem Amolto Call Recorder digital aufgezeichnet, um den Transkriptionsprozess zu unterstützen und die Zuverlässigkeit der Daten zu erhöhen. 172.4Datenanalyse 2.4.1Transkription Alle 27 Interviews wurden von der Protokollantin mit Hilfe der Interviewaufzeichnungen transkribiert. Nach Fertigstellung wurde die Transkription dem Interviewpartner zur Genehmigung und zur Vermeidung von Missverständnissen zugesandt. In einigen wenigen Fällen fügten die Befragten dem Dokument zusätzliche Notizen oder Kommentare hinzu. Dieser Prozess erhöhte zusätzlich die Validität und Genauigkeit der Daten.2.4.2KodierungUm die transkribierten Daten zu verarbeiten und zu analysieren, damit die zweite Forschungsfrage beantwortet werden kann, wurden sie in mehreren Schritten kodiert. Zunächst wurden auf der Grundlage des vordefinierten gewünschten Ergebnisses, das am Ende der Interviewfragen stand, die folgenden Kodierungskategorien definiert:Barrieren des Transformationsprozesses Befähiger des Transformationsprozesses Kritischste UmsetzungsschritteTreiber des TransformationsprozessesEndgültige Vision des CE-KonzeptsSekundär wurden die erfassten Daten nach diesen Kategorien sortiert. Um Verzerrungen zu vermeiden und somit die Validität der Analyse zu erhöhen, wurde die Kodierung der Daten unter den drei Autoren aufgeteilt und alle Interviews wurden separat sortiert. Abschließend wurde die Genauigkeit der Informationen in jeder Kodierungskategorie in einer gemeinsamen Diskussion überprüft: Falls erforderlich, wurden die Daten in eine geeignetere Kategorie verschoben, bis ein Konsens erreicht und ein endgültiger Satz kodierter Daten für jede Kategorie festgelegt war.2.4.3Zusammenführung von Informationen In einem ersten Schritt wurden die Kategorien "wichtige Umsetzungsschritte" und "Umsetzungsmotoren" auf zusätzliche, implizite Barrieren und Befähiger überprüft, die dann zu den entsprechenden Kategorien hinzugefügt wurden. In einem zweiten Schritt wurden die Kategorien der Hindernisse und Befähiger nach gemeinsamen, wiederkehrenden Themen (z. B. technologische Hindernisse) durchsucht. Schließlich wurden die ermittelten hinderlichen oder förderlichen Faktoren zu den ermittelten gemeinsamen Themen geclustert. Um einen besseren Überblick zu ermöglichen und Reduktionismus zu vermeiden, wurden eher breite Cluster gebildet, die auf einer tieferen Ebene spezifischere Informationen enthalten. Bei der Clusterbildung wurde nicht unterschieden, ob es sich um Informationen von Unternehmen oder von akademischen Experten handelte, da die Bedeutung einer möglicherweise daraus resultierenden Divergenz der Ergebnisse wissenschaftlich nicht zu beurteilen gewesen wäre. 182.5Validität der DatenWährend des gesamten Forschungsprozesses wurden die Annahmen sowie die Ergebnisse und Schlussfolgerungen von den Forschern und ihren Beratern gründlich diskutiert, um eine hohe Validität der Forschung zu gewährleisten. Insbesondere für die Interviews als primäre Datenquelle wurden besondere Vorkehrungen getroffen - einschließlich Aufzeichnungen, Transkriptionen und Genehmigung der Informationen durch die Befragten -, um deren Validität zu gewährleisten. Read Less