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Soziale Integration und Inklusion von Menschen mit einer psychischen Langzeiterkrankung - Am Beispiel der Schizophrenie

Analyse der sozialpsychiatrischen Praxis und der Bedeutung vom Habitus, Kapital und sozialem Feld nach Bourdieu für die soziale Integration und Inklusion als Aufgabe der Sozialen Arbeit

Written by A. Dizdar

Paper category

Bachelor Thesis

Subject

Sociology

Year

2019

Abstract

Bachelorarbeit: Die soziale Dimension der Psychiatrie Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hat der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler eine Grundposition vertreten, dass neben der Neurobiologie auch die individuelle psychische Ebene bei psychischen Erkrankungen eine zentrale Rolle spielt. Dabei berücksichtigte er die soziale Dimension, die später von anderen wichtigen Persönlichkeiten der Branche stärker beachtet wurde (vgl. Kumbier / Haack / Hoff 2013: 44). Das Aufkommen einer neuen Perspektive der Psychiatrie hat die sozialpsychiatrische Bewegung in den Fokus gerückt, insbesondere für die psychosozialen Ursachen, Bedingungen und Folgen psychischer Störungen (vgl. Stange 2015: 33f.). Der Psychiater Klaus Dörner (1995: 84f.) war maßgeblich an der Reform und Modernisierung der Psychiatrie in der ehemaligen DDR beteiligt. Er betonte, dass sich die Sozialpsychiatrie nicht allein auf die psychiatrische Diagnose verlassen kann. Die objektive Beschreibung psychischer Erkrankungen in Form von Klassifikationen wie der ICD-10 (International Classification of Diseases and Related Health Problems) wird nur Maßstäbe für die Verhaltenserwartungen von Patienten und ihren Therapeuten setzen und damit den Horizont verengen. Andererseits setzt die Sozialpsychiatrie auf Chancengleichheit für alle Mitglieder der Gesellschaft und orientiert sich an objektiven und subjektiven Bedürfnissen sowie am Lebensumfeld psychisch Kranker. Diese Menschen sind stark von Isolation und Ausgrenzung betroffen (vgl. Clausen / Eichenbrenner 2016: 78). Im Bereich der Langzeitpsychiatrie tritt der chronische Verlauf am häufigsten bei der Diagnose von Schizophrenie, affektiven Störungen, Alkohol- und Drogensucht sowie Schizophrenie auf. Behinderung (vgl. Bosshard / Ebert / Lazarus 2013: 190). In Deutschland fehlen epidemiologische Daten zum gesamten Spektrum chronischer psychischer Erkrankungen. Die Diagnosestatistik erfasst nur die Hauptdiagnosen und berücksichtigt nicht den chronischen Verlauf psychischer Erkrankungen (vgl. Stierl / Stierl 2012: 487). Generell mangelt es dem Forschungsfeld an repräsentativer Forschung zur Behandlung dieser Zielgruppe. Insbesondere das Thema schwerkranker Schizophrenie wird am stärksten vernachlässigt, wobei darauf hingewiesen werden muss, dass die Definition von „schwer erkrankt“ noch keine allgemeingültige Definition gefunden hat (vgl. Hartwich 2009: 11). 2. Psychiatrie-retrospektiv Im folgenden historischen Kommentar wird bewusst auf eine geschlechtersensible Schreibweise verzichtet, da die Medizin in der Anfangszeit männerzentriert war. Im frühen 18. Jahrhundert wurden die extrem Armen mit psychischen Erkrankungen auch "arme Wahnsinnige" genannt. Vor allem in den Gefängnissen europäischer Irrenanstalten und gefängnisähnlicher Personen, insbesondere wenn sie nicht zu Hause oder im regulären Krankenhaus „verwaltet“ werden können. Für diese Betroffenen ist die Ärzteschaft zuständig (vgl. Brückner 2015: 21). Im Zeitalter der Industrialisierung gelten Menschen, die als arbeitsunfähig gelten, als Hindernis für eine arbeitsfähige Gesellschaft. Alle sturen und ungehorsamen Menschen, die keinen produktiven Beitrag zur Gesellschaft geleistet haben, werden in geschlossenen, von der Gesellschaft isolierten Institutionen untergebracht (vgl. Bosshard et al. 2013: 29). Um 1800 entstand die Institutionelle Psychiatrie, die durch wissenschaftliche Krankheitsmodelle bestimmt wurde. Daher hat die psychische Erkrankung eine Erklärung in der organischen Ursache (vgl. Obert 2015: 49f.). Patriarchalische psychoedukative Methoden bestimmen das Behandlungsumfeld, das in extrem schwierigen Situationen auch zu gewaltsamen Zwangsmaßnahmen führen kann (vgl. Brückner 2015: 22). Um soziale Probleme zu regulieren, versuchen Menschen, Menschen durch pädagogische Rehabilitationsmaßnahmen zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft zu machen. Auf diese Weise soll die Irrenanstalt abschreckend wirken (vgl. Bosshard et al., 2013: 29f.). Die Behandlung wird öffentlich subventioniert und wird in der Regel von Ärzten und Pflegepersonal sowie Verwaltungspersonal durchgeführt (vgl. Brückner 2015: 22). In England wurde um 1845 in Einrichtungen die medizinische Überlegenheit etabliert, das ärztliche Monopol bei der Behandlung der Betroffenen gesetzlich garantiert. Daher können die Gesundheitsbehörden auch in Deutschland (preußisches Land) medizinische Maßnahmen legalisieren, weil psychische Erkrankungen als gesellschaftliches Ordnungsproblem angesehen werden und die Gesellschaft daran interessiert ist, sich damit auseinanderzusetzen (vgl. Bosshard et al., 2013: 30). Behandlungsmethoden sind heute eher anthropologisch-religiös, biografisch-hermeneutisch oder wissenschaftlich orientiert, was zunehmend zu Einschränkungen aller Zwangsmittel führt, diese aber nicht ganz verschwinden lässt. Folgende Hilfsformen haben sich herauskristallisiert, die als Pioniere der heutigen psychiatrischen Sozialarbeit gelten können: Einerseits die Unterbringung und Betreuung ausländischer Familien. Read Less